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Finanzmarkt:Vorbote einer Rezession? Deshalb spielen die Zinsen ein bisschen verrückt

New York Stock Exchange - Die Zinswelt steht Kopf

An der Börse wird genau darauf geachtet, ob die Zinsentwicklung als Vorbote einer Rezession gewertet werden kann.

(Foto: dpa)
  • An den Finanzmärkten ist derzeit oft von einer inversen Zinsstruktur die Rede - die Zinsen für kurzfristige Anleihen liegen über den für langfristige Papiere.
  • Manche werten dies als Signal für eine bevorstehende Rezession - doch diese Interpretation ist umstritten.

Schwache Konjunkturdaten aus den großen Volkswirtschaften China und Deutschland wecken Rezessionsängste und verunsichern die Finanzmärkte. In Sorge versetzt Anleger zudem ein eher seltenes Phänomen: In den USA oder Großbritannien stiegen die kurzfristigen Kapitalmarktzinsen zumindest zeitweise über die langfristigen. In einigen asiatischen Ländern zeichnete sich eine ähnliche Entwicklung ab. Auch in Deutschland scheint der Zeitpunkt nicht mehr fern, bis die kurzfristigen Zinsen die längerfristigen einholen. Fachleute sprechen in einem solchen Fall von der "inversen Zinskurve". Umgangssprachlich könnte man von einer "verkehrten Zinswelt" reden: Normalerweise erhält ein Geldgeber um so höhere Zinsen, je länger er sein Geld verleiht.

Kehrt sich dieser Zusammenhang um, fällt also der Zins mit der Laufzeit der Anlage, kann das Probleme mit sich bringen: Banken verdienen Geld, indem sie sich kurzfristige Mittel von ihren Kunden leihen und diese längerfristig als Kredit verleihen. Verläuft die Zinskurve normal, funktioniert das in der Regel ganz gut, doch wenn sich die Zinskurve verflacht oder umkehrt, kann es für die Banken schwierig werden, dieses Geschäftsmodell durchzuhalten.

Doch auch ohne diese Effekte ist eine inverse Zinskurve problematisch. Denn sie gilt unter Fachleuten mitunter als Vorbote für eine sich nähernde Rezession. So kehrte sich in den USA vor jeder Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg die Zinsstruktur um.

Fehlsignale möglich

Vorsicht ist dennoch angebracht, denn die Zinsstruktur hat in den vergangenen Jahrzehnten auch Fehlsignale gesendet. Experte Patrick Franke von der Landesbank Hessen-Thüringen nennt in einer Studie die Jahre 1966 und 1998, in denen auf eine inverse Zinskurve eben keine US-Rezession folgte. Wie ist es heute? Steuern die USA und mit ihr die ganze Welt auf eine Rezession zu? Oder gibt es andere Gründe, warum die Zinswelt Kopf steht?

Fachleute schließen die Gefahr einer wirtschaftlichen Schrumpfung nicht aus. So gibt es durchaus Gründe für eine starke wirtschaftliche Eintrübung, etwa den Handelsstreit zwischen den USA und China oder der unsichere Ausgang des Brexit. Experten nennen aber auch Gründe, die gegen eine globale Rezession sprechen - und nahelegen, dass die verkehrte Zinswelt Fehlalarm anzeigt. So ist etwa die wirtschaftliche Lage in den USA nach wie vor robust und die Arbeitslosigkeit niedrig.

Die Ökonomen der Schweizer Bank UBS kommen daher zu dem Schluss, dass die ungewöhnliche Zinsstruktur in den USA eher kein Ergebnis schwacher Wachstumserwartungen in den Vereinigten Staaten ist. "Wir glauben, dass die Abflachung der US-Zinskurve eine Folge der sich abschwächenden Wachstumserwartungen im Rest der Welt ist", heißt es in einer Studie. Für die USA mag das beruhigend sein - für den Rest der Welt eher nicht.

Für ein Fehlsignal könnte die Geldpolitik großer Notenbanken sprechen, die seit mindestens einem Jahrzehnt extrem locker ist. So haben die Zentralbanken ihre Geldpolitik seit der Finanzkrise 2008 stark verändert und die langfristigen Zinsen am Kapitalmarkt erheblich gedrückt. Anleger befinden sich deshalb auf der ständigen Suche nach Rendite - und werden nicht zuletzt in den USA fündig, wo die Kapitalmarktzinsen immer noch höher liegen als in Europa und Teilen Asiens.

Dieser Ansturm auf amerikanische Anleihen übt Druck auf die dortigen Marktzinsen aus und lässt die Zinskurve verflachen. Es könnte also durchaus sein, dass die Finanzmärkte falsch liegen - und die Welt nicht vor einer schweren Rezession steht.

Dieser Ansicht ist auch Soonal Desai, Investmentchefin bei der großen Anlagegesellschaft Franklin Templeton. Sie spricht gar von "Zinskurven-Hysterie". Ähnlich sieht es die ehemalige Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen: Historisch sei die Zinskurve zwar ein ziemlich gutes Signal für eine Rezession gewesen, sagte Yellen am Mittwoch im US-Fernsehen. Heute dürfte es aber anders sein, schränkte sie mit Verweis auf zahlreiche Faktoren sein, die die Zinswelt verrückt spielen lassen.

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