bedeckt München 33°

Finanzkrise:Griechenland zwischen Hoffen und Bangen

Hedgefonds investieren wieder in Griechenland. Die Regierung will es noch in diesem Jahr schaffen, mehr einzunehmen als auszugeben. Ein Hoffnungsschimmer, doch zur Schuldenbewältigung sind wohl weitere Hilfen nötig.

Von Simone Boehringer und Andrea Rexer

In der Welt der Hedgefonds gibt es nur zwei Farben: rosa und schwarz. Entweder sehen diese Finanzinvestoren ein Unternehmen oder ein ganzes Land durch die rosa Brille, dann verbreiten sie Nachrichten über phantastische Zukunftsaussichten. Oder sie warnen vor dem Zusammenbruch. Dazwischen gibt es von ihnen wenig zu hören. Das liegt an ihrem Geschäftsmodell: Hedgefonds können mit steigenden und fallenden Kursen Kasse machen. Wichtig ist, dass andere Investoren ihrer Strategie folgen, denn dann können sie ihren Gewinn maximieren.

So erklärt es sich, dass sie gern rosarote Nachrichten transportieren, wenn sie gerade irgendwo investiert haben. Dann steigt der Kurs tendenziell weiter, ihre Prophezeiung kann sich quasi von selbst erfüllen. Pechschwarze Nachrichten werden verbreitet, wenn sie auf fallende Kurse spekulieren. Man darf also vorsichtig sein, wenn Hedgefondsmanager John Paulson in der Financial Times ein Loblied auf die griechischen Banken singt. In die hat er nämlich gerade nach eigenen Angaben kräftig investiert.

Aber dennoch kann man daraus einen Funken Hoffnung schöpfen - zumindest, wenn man glaubt, dass Paulson nicht zugreifen würde, wenn er nicht gute Argumente hätte, um andere Anleger von seiner Strategie zu überzeugen. Die beiden Banken Pireaus und Alpha, in die Paulson sein Geld gesteckt hat, seien gut kapitalisiert und hätten ein exzellentes Management. Angeblich hätten auch andere Hedgefonds Interesse an den Banken.

Mit Anleihen die Finger verbrannt

Dass die dem Risiko aufgeschlossenen Investoren ihr Geld lieber zu den griechischen Banken tragen, statt es in griechische Staatsanleihen zu packen, hat wohl mehrere Gründe: Zum einen "haben sich die Gläubiger ja beim ersten Schuldenschnitt Athens mit Anleihen die Finger verbrannt", sagt Christoph Weil, Volkswirt für die Eurozone bei der Commerzbank. Damals mussten nur private Kreditgeber auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten. Zum anderen, sagt auch Weil, seien Hellas' Banken nun ausreichend kapitalisiert. Die Gewinnchance mit Aktien ist zudem meist höher als mit Anleihen.

Private Gläubiger hat das Land kaum mehr. Den größten Teil der griechischen Schuldscheine über etwa 300 Milliarden Euro halten nach einer Aufstellung der Commerzbank der Rettungsfonds EFSF (133 Milliarden Euro), die Europäische Zentralbank (41 Milliarden), der IWF (28,5 Milliarden) sowie andere Euro-Länder (53 Milliarden). Kurzfristige Geldmarktpapiere über knapp 15 Milliarden Euro haben demnach vorwiegend griechische Banken gekauft, daneben gibt es noch geschätzt Kredite von anderen Privatinvestoren über etwa fünf Milliarden Euro.

Ein neuer Schuldenschnitt, wie er immer mal wieder und zuletzt vom US-Großinvestor George Soros gefordert wird, träfe die bislang verschonten öffentlichen Institutionen, die ohnehin die Rettung Griechenlands finanzieren und auch den Schuldendienst Athens zum Gutteil tragen. Sollte es zu einer weiteren Verlängerung von Schulden - aus Athen kolportiert wurde am Wochenende eine Verlängerung von Hilfskrediten auf 50 Jahre - käme dies nach Ansicht einiger Kapitalmarktexperten ohnehin einem Schuldenschnitt gleich, zumal die Zinsleistung für viele Anleihen unter einem Prozent liegt.

Skeptische Aussichten

Nach jetzigem Stand müsste Athen mit der Rückzahlung der Rettungskredite 2025 beginnen. Ein kleinerer Teil der Altschulden müsste aber schon 2014 getilgt werden. Aus eigener Kraft ist das wohl nicht möglich. Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung benötigt Athen deshalb mehr als zehn Milliarden Euro zusätzliche Hilfen in den nächsten Jahren.

Darüber täuschen auch die ermutigenden Haushaltszahlen nicht hinweg, die die griechische Regierung am Montag vermeldete: Demnach will Athen 2014 deutlich mehr einnehmen als ausgeben. Den Planungen zufolge soll der sogenannte Primärüberschuss kommendes Jahr 1,6 Prozent der Wirtschaftsleistung oder 2,8 Milliarden Euro betragen. Auch dieses Jahr könne es schon ein kleines Plus von 340 Millionen Euro geben, teilte der stellvertretende Finanzminister Christos Staikouras mit.

Schuldenlasten sind bei diesen Zahlen nicht berücksichtigt. Die müsste Athen wieder über den Kapitalmarkt finanzieren. "Athen würde derzeit am freien Markt für zehnjährige Anleihen neun Prozent bezahlen. Das kann sich das Land nicht leisten", sagt Volkswirt Weil. Nach Angaben Staikouras' wird die Wirtschaftsleistung 2013 um vier Prozent schrumpfen. 2014 soll ein Wachstum von 0,6 Prozent drin sein.

Hedgefonds-Investor Paulson lässt sich offensichtlich von diesen skeptischen Aussichten nicht beirren und setzt also auf griechische Banken. Zur Erinnerung: Paulson ist just jener Investor, der 2007 gegen den US-Immobilienmarkt wettete und damit richtig lag. Einen Investmenterfolg in Hellas würden ihm wohl mehr Leute gönnen.

© SZ vom 08.10.2013/pje
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB