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Finanzen:Ermittler durchsuchen Deutsche Bank

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt und das Bundeskriminalamt untersuchen die Rolle des Instituts im Geldwäsche-Skandal der Danske Bank.

Eigentlich wollte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing am Mittwoch ungestört Werbung machen für das, was er gerne "das Herzstück" der Bank nennt. Auf einer Branchenkonferenz in London warb er für das Transaktionsbanking, ein eher trockenes, vermeintlich skandalfreies Geschäft, in dem es darum geht, Zahlungsvorgänge abzuwickeln und Handelsgeschäfte zu finanzieren. "Ich bin sehr zuversichtlich für das Geschäft", sagte Sewing. Man sehe "wachsende Märkte" in der Region Asien-Pazifik und China.

Ausgerechnet Vorgänge in diesem Bereich aber bescherten der Bank am Dienstag Besuch von Strafermittlern - mehr als ein halbes Jahr nach der spektakulären Razzia wegen des Verdachts der Geldwäsche im November 2018. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt und die Deutsche Bank bestätigten SZ-Informationen, wonach Ermittler der Staatsanwaltschaft Frankfurt und des Bundeskriminalamtes am Dienstag die Zentrale der Deutschen Bank besuchten, um dort Dokumente zu beschlagnahmen. Die Dursuchungen dauerten auch am Mittwoch noch an.

Erneut geht es um den Verdacht der Beihilfe zur Geldwäsche, diesmal allerdings im Zusammenhang mit dem Skandal bei der dänischen Danske Bank. Der Danske-Fall ist für die Deutsche Bank unter anderem deshalb brisant, weil die US-Behörden sich des Sachverhaltes annehmen und dem Institut erneut empfindliche Strafen auferlegen könnten. Gegenwärtig werde in diesem Verfahren gegen eine natürliche Person ermittelt, bestätigte die Staatsanwaltschaft Frankfurt. Die Ermittler hegen den Verdacht, dass die Bank Geldwäsche-Verdachtsmeldungen zu spät abgegeben hat. Zu einer förmlichen Durchsuchung sei es indes nicht gekommen, da die Bank die geforderten Unterlagen freiwillig herausgegeben habe. Diesmal gingen die Ermittler außerdem weniger öffentlichkeitswirksam vor als im November 2018: Sie kamen durch die Tiefgarage, statt mit Streifenwagen vor der Firmenzentrale zu parken. Laut Staatsanwaltschaft gibt es eine beschuldigte Person, die von 2014 bis 2018 für die Bank gearbeitet habe. Die Bank selbst habe proaktiv 1,1 Millionen Transaktionen als verdächtig gemeldet, erklärte der Sprecher der Frankfurter Behörde. Bei einer zweistelligen Anzahl von Transaktionen im Gesamtvolumen von 12,5 Millionen Euro gebe es allerdings den Verdacht, dass die Bank die Verdachtsmeldungen zu spät abgegeben habe oder die Zahlungen von vornherein hätte stoppen müssen. Die Deutsche Bank teilte mit, sie habe "den Sachverhalt bereits selbst umfassend aufgearbeitet". Man kooperiere weiter mit der Staatsanwaltschaft.

Bei Danske geht es um den bislang wohl größten Geldwäsche-Fall der Geschichte: Die dänische Bank soll von 2007 bis 2015 bis zu 200 Milliarden Euro aus dubiosen russischen Quellen gewaschen und in die USA überwiesen haben; den Großteil ausgerechnet mithilfe der US-Niederlassung der Deutschen Bank. Das deutsche Institut agierte dabei als sogenannte Korrespondenzbank. Das sind Partnerbanken, über die Geldhäuser die Finanzierung des Außenhandels der heimischen Wirtschaft abwickeln. Banken nutzen sich gegenseitig als Korrespondenzbanken, um Geschäfte in Ländern zu tätigen, in denen sie keinen Sitz haben. Die Deutsche Bank vertrat bislang den Standpunkt, sie hätte als Korrespondenzbank die Kunden der Danske nicht gekannt und diese auch nicht überprüfen müssen. Ob sich das Institut bei möglichen rechtlichen Auseinandersetzungen damit rechtfertigen kann, ist offen. Geldwäscheexperten sagen, dass auch Korrespondenzbanken in gewissem Umfang die Kunden ihrer Kundschaft kennen sollten. Auf jeden Fall musste die Deutsche Bank aber die Partnerbank genau prüfen.

Es gab schon lange vor 2015 Hinweise darauf, dass über die estnische Tochter der Danske Bank Geld gewaschen wurde. Die Deutsche Bank betonte stets, in diesem Fall nicht selbst im Visier der Aufseher zu sein. Man kooperiere mit den Behörden und informiere diese weiterhin. "Bisher haben wir keine Hinweise auf ein Fehlverhalten unsererseits", hatte Sewing Anfang des Jahres gesagt. Auch die beiden US-Großbanken JP Morgan und Bank of America hatten als Korrespondenzbanken der Danske geholfen, die Gelder zu transferieren. Den Großteil der Danske-Gelder leitete aber die Deutsche Bank durch.

Parallel zu den Ermittlungen in Frankfurt wurde am Mittwoch bekannt, dass der ehemalige Chef der Danske Bank in Estland, Aivar Rehe, tot aufgefunden wurde. Weitere Details veröffentlichte die estnische Polizei zunächst nicht. Rehe war von 2007 bis 2015 Chef der Danske Bank in Estland, zählte in dem Geldwäscheskandal aber nicht zu den Verdächtigen.

© SZ vom 26.09.2019
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