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Fehmarnbelt-Tunnel:Milliardenprojekt steht auf dem Spiel

Eine Trasse soll Deutschland und Dänemark verbinden. Ob sie jemals umgesetzt wird, entscheiden nun Richter.

Von Peter Burghardt, Hamburg

Seit Jahren wird über den geplanten Tunnel durch die Ostsee gestritten, jetzt setzt sich die Auseinandersetzung also vor Richtern fort. Von Dienstag an befasst sich das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mit der umstrittenen Trasse von Deutschland nach Dänemark, der sogenannten Festen Fehmarnbeltquerung. Es wird eines der größten Umweltrechtsverfahren der deutschen Geschichte, auf dem Spiel steht ein Milliardenprojekt.

Geht es nach den Betreibern, entsteht auf 18 Kilometern zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rødby auf Lolland eine doppelte Röhre für Autos und Eisenbahnen, bisher verbinden Fähren die Ufer. Bereits 2008 hatten Deutschland und Dänemark den Staatsvertrag unterzeichnet, demnach übernehmen die Dänen die Kosten der Querung durch das Meer, die von der dänischen Projektgesellschaft Femern S/A auf 7,1 Milliarden Euro beziffert wird. Die Anbindungen ans Hinterland soll jedes Land auf seiner Seite finanzieren. In Dänemark gibt es längst Baurecht und kaum Widerspruch - in Deutschland wird gezankt.

Geklagt haben unter anderem ein Landwirt, Reedereien sowie Umweltschützer, sie halten den Tunnel für ökologisch gefährlich und ökonomisch überflüssig. Es sei "das größte, teuerste und zugleich irrsinnigste Infrastrukturprojekt Europas", so der Naturschutzbund Nabu. Taucher hatten in dem Gebiet streng geschützte Riffe entdeckt, von denen es heißt, die Bauträger hätten sie übersehen. Lebensraum für bedrohte Tierarten würden zerstört. "Und das, obwohl diese Autobahn gar nicht gebraucht wird", wie Malte Siegert sagt, Leiter Umweltpolitik bei Nabu Hamburg. Eine Verkehrsstudie geht von täglich 12 000 Fahrzeugen auf vier Spuren Autobahn und 111 Zügen auf zwei Gleisen im Jahr 2030 aus. Siegert verweist auf den Elbtunnel in Hamburg, den jeden Tag etwa zehn Mal so viele Autos nutzen.

Die Bauherren dagegen argumentieren, dass sich die Reisezeit von 45 Minuten mit dem Schiff auf zehn Minuten mit dem Auto verkürzen werde und von Hamburg nach Kopenhagen mit dem Zug von 4:30 Stunden auf wengier als drei Stunden. Norddeutschland und Skandinavien, Regionen und Märkte würden auf diese Weise zusammenwachsen. Am Bundesverwaltungsgericht sind zehn Verhandlungstage angesetzt.

© SZ/sana
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