Fahrräder Boom ohne Ende

(Foto: imago/JOKER)

Die Zahl der verkauften Fahrräder in Deutschland ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Vor allem E-Bikes tragen zu dem Boom bei.

Von Hans von der Hagen

Wer dieser Tage in ein Fahrradgeschäft geht, macht mitunter die Feststellung, dass schon jetzt manches Modell gar nicht mehr erhältlich ist. "Ausverkauft", heißt es dann. Das betrifft gewiss eher die Angebote kleinerer Hersteller, doch ist es zugleich auch ein Indiz für den derzeitigen Erfolg der gesamten Fahrradbranche. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen dies: Das Geschäft mit Fahrrädern boomt in Deutschland wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Allein 2018 legte der Umsatz um knapp zwölf Prozent zu - die Erlöse für Zubehör und Komponenten eingeschlossen. "Das ist der stärkste Anstieg seit Beginn der Berechnungen 1995", erklärte das Statistische Bundesamt. Der Zweirad-Industrie-Verband bezifferte den Umsatz mit Fahrrädern und E-Bikes allein auf 3,2 Milliarden Euro, den Gesamtumsatz der Fahrrad-, E-Bike-, Komponenten- und Zubehörindustrie auf rund sechs Milliarden Euro. Als Gründe für den neuerlichen Aufschung nennt er nicht nur das gute Wetter im vergangenen Jahr, sondern auch die zunehmende Bedeutung des Radverkehrs für die Mobilität. Den Angaben zufolge wurden nicht nur deutlich mehr Fahrräder verkauft, auch der durchschnittliche Verkaufspreis stieg: Mittlerweile liegt er bei 756 Euro. Das sind rund sieben Prozent mehr als 2017.

Besonders erfreut zeigt sich die Branche darüber, dass der Aufschwung nicht nur von der starken Nachfrage nach E-Bikes getragen wurde, sondern endlich auch die Zahl der verkauften herkömmlichen Räder mal wieder zulegte. Doch es besteht kein Zweifel: Den nun schon seit Jahren wachsenden Gesamtumsatz verdankt die Fahrradindustrie zuallererst den E-Bikes: 980 000 elektrifizierte Räder wurden verkauft, 36 Prozent mehr als 2017. Mittlerweile ist fast jedes vierte verkaufte Rad ein E-Bike. Besonders gefragt sind in diesem Segment E-Trekking-Räder (Marktanteil: 37 Prozent), dicht gefolgt vom E-City-Bike (33 Prozent) und mit etwas größerem Abstand dem E-Mountainbike (25 Prozent). Die S-Pedelecs, die bis zu 45 Stundenkilometer schnell fahren, haben aufgrund der strengen gesetzlichen Vorschriften in Deutschland kaum eine Chance: Ihr Anteil liegt lediglich bei einem halben Prozent.

Die meisten E-Bikes - 888 000 Stück im Gesamtwert von 779 Millionen Euro - werden importiert. Sie kommen vor allem aus Ungarn, aber auch Vietnam und die Niederlande zählen zu den führenden Liefernationen.