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Facebook als Aktienmarkt:Start-up will Facebook zur Börsenplattform machen

Bald kann man seine Lieblingsfirma nicht nur "liken": Ein US-Start-up will Usern ermöglichen, direkt auf Facebook kleine Anteile von Unternehmen zu kaufen. Das soziale Netzwerk soll in diesem Sommer zu einer Börsenplattform werden.

Der Hype hat längst auch die Firmen erreicht: "Liken Sie unsere Erbengemeinschaft auf Facebook!" Als neulich in einem Münchner Wohnhaus der Hausmeister einen Zettel mit diesem Spruch aufhängt, wird den Mietern klar: Auf Facebook zu sein, ist mittlerweile auch für die Unternehmen der ganz große Renner.

Ein US-Start-up möchte die Kundenbeziehungen in dem sozialen Netzwerk nun auf eine neue Stufe heben. Die Idee von Loyal3: Fans einer Marke sollen Anteile des Unternehmens direkt auf Facebook kaufen können. Ohne Gebühren, ohne komplizierte Finanzmathematik, ohne Bankberater. Kleinste Anteile in Werten ab zehn Dollar sollen handelbar sein. Von Juni an, so verkündete das Unternehmen, soll das funktionieren.

Dahinter steckt eine Marketingidee. "Die Menschen achten nun einmal die Dinge mehr, die ihnen selbst gehören", sagte Loyal3-Chef Barry Schneider dem US-Magazin AdAge. Die Gebühren für die Transaktion sollen dementsprechend die Unternehmen übernehmen.

"Wir wollen ein System bieten, das es Kunden so einfach macht, Anteile an einem Unternehmen zu kaufen, wie wenn sie ein Buch bei Amazon bestellen", verspricht Schneider: Mit drei Klicks wandere eine Firma ins Portfolio der Facebook-Nutzer. Loyal3 möchte aber keine Plattform für Spekulanten sein. Um Zocker auszubremsen, soll es ein Monatslimit geben, das bei 2500 Dollar liegt.

Seit einem Jahr bereits berät sich das Start-up mit der US-Börsenaufsicht SEC. Ein kniffliger Verhandlungspunkt: Auf Facebook sollen keine ganzen Aktien angeboten werden, sondern kleinere Anteile. Das ist eigentlich nicht üblich, aber nachvollziehbar: Schon eine einzelne Aktie ist bei beliebten Firmen oft teuer, ein Schein kostet bei Google und Apple etwa aktuell rund 600 Dollar. Loyal3 möchte den Kauf aber niedrigschwellig halten, um mehr Menschen zu Aktienbesitzern zu machen. Ziel, so sagte Schneider, sei der "soziale Börsengang".

© SZ vom 23.04.2012/bbr

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