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Exportüberschuss:Wenn globale Ungleichgewichte zum Problem werden

Solche globalen Ungleichgewichte sind per se erst mal kein Problem, denn der Welthandel befindet sich, anders als es der große Außenhandelstheoretiker David Ricardo zu Beginn des 19. Jahrhunderts unterstellt hat, nun mal nicht permanent im Gleichgewicht. Globale Ungleichgewichte gehören zu einer dynamischen, sich verändernden Weltwirtschaft dazu. Zum Problem werden sie erst dann, wenn sie zu groß werden und das Kapital über einen sehr langen Zeitraum in eine Richtung fließt. Dann entstehen Blasen, und Wechselkurse werden verzerrt; wenn Blasen platzen, kommt es zu Krisen.

Im Fall von Deutschland gibt es nun genau dieses Problem: Die Exporte übersteigen seit sechs Jahren die Importe immer stärker, während es in den USA seit Langem umgekehrt ist und die Amerikaner weit mehr Waren und Kapital importieren, als sie exportieren. Niemand verlangt, dass die Deutschen sich komplett von ihrem Modell verabschieden; nur eine Korrektur, eine Normalisierung wäre sinnvoll. Was also ist zu tun?

Vor allem eines: Weil, wie gesagt, niemand den hiesigen Exportunternehmen Fesseln anlegen will, muss Deutschland am anderen Ende ansetzen - und seine Binnennachfrage stärken. Die große Koalition muss also das tun, was die SPD vor der Wahl gefordert hat: Sie muss die staatlichen und privaten Investitionen ankurbeln (beide sind im internationalen Vergleich sehr niedrig). Und die Koalition muss, um auch den Konsum zu befeuern, etwas tun, was bislang weder die SPD noch die Union ernsthaft will: Sie muss die Nettolöhne erhöhen. Aber das geht - weil hierzulande nun mal die Tarifautonomie gilt - nur indirekt: Die neue Regierung muss die Steuern und Sozialabgaben senken; dann bleibt am Ende den Bürgern vom Brutto mehr Netto übrig und sie können mehr ausgeben.

Solch eine Politik würde nicht nur hierzulande das Wachstum ankurbeln, das auch im sechsten Jahr nach dem Lehman-Crash immer noch sehr mager ist. Solch eine Politik würde auch der gesamten Euro-Zone zu einem Schub verhelfen; dies würde den Krisenländern zu mehr Jobs und höheren Exporten verhelfen - und so dazu beitragen, dass diese zähe, elende Krise schneller zu Ende geht.