Ex-RTL-Chef baut Sendernetzwerk auf Helmut Thomas Comeback im Regionalfernsehen

Helmut Thoma meldet sich zurück: Der Privatfernseh-Pionier und langjährige RTL-Chef will es den deutschen Fernsehmachern noch einmal zeigen: Ein Netzwerk von Regionalsendern soll mit seiner Hilfe zur dritten Kraft im TV-Markt werden. Die nötige Lizenz hat er schon.

Von Caspar Busse und Lutz Knappmann

Helmut Thoma, 72, kann lange erzählen von seinen Erfolgen: Nach seinem Start beim österreichischen ORF wechselte der Wiener 1973 zu RTL, machte von 1982 an den Privatsender in Deutschland groß. 1998 zog sich Thoma zurück, aber noch heute ist RTL Deutschlands erfolgreichster Privatsender.

In Gesprächen mit Investoren: Helmut Thoma (Archivbild aus dem Jahr 2002).

(Foto: DPA-SZ)

Richtig aufregen kann sich Thoma, wenn er auf den derzeitigen Zustand der Branche zu sprechen kommt. "Der deutsche Markt ist unterentwickelt und in seinen Strukturen erstarrt", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Das duale System zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern funktioniere kaum noch.

ARD und ZDF kümmerten sich vor allem um Zuschauer ab 50 Jahren, RTL Deutschland aus der Bertelsmann-Gruppe und Pro Sieben Sat 1, in Mehrheitsbesitz von Finanzinvestoren, konzentrierten sich nur auf Ertragsmaximierung. Sein Fazit: "Das private Fernsehen in Deutschland wird von zwei Holdings beherrscht. Beide interessieren sich nicht für das Programm, sondern sind nur an einer Erhöhung des Gewinns interessiert."

Auch deshalb arbeitet Thoma nun an einem Comeback. Zusammen mit Partner Helmut Keiser plant er einen Verbund aus mehreren privaten Regionalsendern in Deutschland. Das Projekt mit Sitz in Düsseldorf firmiert derzeit unter dem Namen Volks-TV und soll voraussichtlich noch bis Jahresende starten. Thoma wäre nicht Thoma, wenn er sich nicht gleich ehrgeizige Vorgaben setzen würde: "Mein Ziel es ist, eine merkbare dritte Kraft im deutschen Privatfernsehen zu werden", sagt er.

Eine erste Hürde hat Volks-TV bereits genommen. An diesem Dienstag hat die Medienaufsicht KEK, die über die Marktkonzentration in der Branche wacht, Thomas Pläne genehmigt. Auch die Zulassungskommission der Landesmedienanstalten (ZAK) hat Volks-TV nun eine Lizenz erteilt.

Für die ersten zwei Jahre sind nach Thomas Angaben Investitionen von etwa 30 Millionen Euro notwendig. Derzeit sei man auf der Suche nach Geldgebern, auch in den USA, darunter seien Privatpersonen und Private-Equity-Firmen: "Der Sender finanziert sich über Werbung und Sponsoren. Wir sind in Gesprächen mit Investoren, es gibt bereits erste Zusagen." Die privaten Regionalsender in Deutschland seien heilige Kühe, sie hätten eine Bestandsgarantie, so Thoma, "aber sie darben dahin".

Kanäle wie TV Berlin, Hamburg 1 und NRW TV will er deshalb mit gemeinsamen, nationalen Programmstrecken versorgen. "Wir planen ein bundesweites Mantelprogramm für die Regionalsender", sagt Thoma und träumt von einem Network nach amerikanischem Vorbild - bundesweit, aber mit regionalen Aspekten. Die Verhandlungen mit den Sendern seien weit fortgeschritten: "Wir starten mit einer Reichweite von elf Millionen Haushalten, im Endausbau können es bis zu 16 Millionen Haushalte sein", sagt Thoma.

Verbreitet werden soll das Programm über analoge Kabelnetze und per Satellit. Für die beteiligten Sender könnte das wirtschaftliche Vorteile bieten. "Ein solches Modell eröffnet lokalen TV-Sendern gute Chancen, auch an nationale Werbeeinnahmen zu kommen", sagte Mathias Adler, Geschäftsführer von TV Berlin. Allerdings: "Es sind noch viele programmliche Fragen offen", erklärte Hamburg-1-Geschäftsführer Jan-Niko Lafrentz.

Das Konzept sieht unter anderem eine Verzahnung mit Internetangeboten und sozialen Online-Netzwerken vor sowie interaktive Shows - im Visier hat Volks-TV eine junge Zielgruppe. Thoma ist sich darüber im Klaren, dass mit dem Budget kein anspruchsvolles Programm möglich sein wird: "Am Anfang wird es ein relativ einfaches Programm sein, da werden sich die Kritiker wieder darüber zerreißen." Und da wäre Thoma wieder da, wo er einst angefangen hat. Auch RTL machte er mit Sendungen wie "Tutti Frutti" und "Der heiße Stuhl" erfolgreich.