Ex-Rektor der European Business School Die Geschichte mit den Scheinrechnungen stimmt nicht

Was ist denn in dem Verfahren noch wahr, was ist unwahr? Die Geschichte mit den Scheinrechnungen, die im Haftbefehl noch stand, stimmte nicht. "In Abweichung zum Haftbefehl" müsse "davon ausgegangen werden, dass den einzelnen Rechnungspositionen doch Leistungen von BrainNet zugrunde" lagen, räumten die Strafverfolger ein.

Brain-Net hatte nachgewiesen, dass die Beratungsleistungen für die EBS in 133,5 Arbeitstagen unter üblichen Honoraransätzen einen Wert von rund 409 000 Euro gehabt hätten. Durch die Hilfe von Brain-Net, so Dierlamm, seien der EBS angeblich zehn Millionen Euro Forschungsgelder von Firmen zugeflossen. Wer soll der Geschädigte gewesen sein?

Die Ermittler tauschten den Vorwurf aus. Die Leistungen, räumten sie ein, seien zwar erbracht worden, aber "pro bono" erfolgt. Also zum Wohl der Öffentlichkeit. Der Verzicht auf eine sechsstellige Summe wäre bei einer Kapitalgesellschaft wie Brain-Net allerdings ungewöhnlich. Pro bono läuft gewöhnlich nichts. Diese Konstruktion der Ermittler ist zumindest fragil.

52 Verdachtsfälle wegen Untreue

Fast intensiver als mit den Rechnungen beschäftigte sich die Große Wirtschaftsstrafkammer in dem Prozess mit der Frage, ob Jahns unzulässigerweise seinen Dienstwagen und den Fahrer für private Zwecke genutzt habe. 52 Verdachtsfälle von angeblicher Untreue kamen so zusammen. Der angebliche Schaden wurde mit rund 7000 Euro errechnet; ein Teil der Dienstwagenfälle (Größenordnung etwa ab fünfzig Euro) wurde als besonders schwere Untreue angeklagt. Mindeststrafe pro Tat sechs Monate Haft. Theoretisch.

Bei dieser Abfolge der strafrechtlichen Vorwürfe kann man vielleicht verstehen, dass ein Angeklagter die Welt nicht mehr versteht. Auf das Haus Jahns wurde im Sommer von Unbekannten ein Brand- und Säureanschlag verübt, und er bekam mit der Post eine anonyme Büchersendung geschickt mit Texten, die bedrohlich klangen. Das zuständige Landeskriminalamt stellte eine Gefährdungsanalyse auf. Jahns müsse damit rechnen, dass mal ein Schweinekopf vor seiner Tür hänge oder die Reifen des Autos zerstochen würden, erklärte ihm ein Polizist. Offenkundig handele es sich um einen feigen Täter, der weiterhin nicht offen agieren werde.

Jahns, der einst in Davos mit den Großen dieser Welt Zigarren schmauchte, ist heute ein bedauernswerter Mann. "Nach der Wiederherstellung der Verhandlungsfähigkeit erfolgen die Neuaufnahme des Verfahrens und ein Neubeginn der Hauptverhandlung von Amts wegen durch das Gericht oder auf Antrag der Staatsanwaltschaft", teilte diese Woche die Große Strafkammer mit. Noch mal alles von vorn?