Ex-Rektor der European Business School Lehrstück über die Mechanismen der Justiz und Medien

Da ist jemand völlig am Ende, und sein Absturz ist lehrreich, weil er etwas über Mechanismen in der Welt der Justiz, der Medien und des Biotops der echten und der vermeintlichen Whistleblower verrät. An einigen Stellen weist der Fall Jahns auch Parallelen zum Fall des Christian Wulff auf.

Überall gibt es Verlierer: Die EBS ist nach dem öffentlichen Abgang von Jahns mit all dem dazugehörenden Getöse schwerst angeschlagen. In Wiesbaden wird der geplante Campus nicht mehr gebaut. An jeder Ecke fehlt es an Geld, und die Zahl der Anmeldungen von Studenten ist entsprechend niedrig. Auch gibt es noch juristische Nachwehen eines EBS-Untersuchungsausschusses des Landtages. Die örtliche Strafjustiz scheint ramponiert: "Das Verfahren hat die Justiz wie den Angeklagten gleichermaßen überfordert", resümierte in diesen Tagen ein Beobachter des Wiesbadener Kurier.

Als Jahns vor einem knappen Jahrzehnt in der EBS nach oben kam, hatte die Hochschule einen kleinen Etat und war eher notleidend. Der Neue hatte die richtigen Verbindungen in die Wirtschaft und in die Politik und schaffte viele Millionen Euro ran. Die Hochschule expandierte nach Wiesbaden, und es wurde eine zweite Fakultät gegründet, die Law School. Die EBS wurde Universität für Wirtschaft und Recht und Jahns führte sie wie ein Start-up-Unternehmen. Als er loslegte, waren an der Uni zwanzig Professoren, Jahre später waren es bereits achtzig.

Jahns' undurchsichtiges Geflecht

Er wollte immer noch mehr Veränderungen, und es gab Unruhe im Haus. Ein Anonymus erstattete gegen ihn Strafanzeige wegen angeblicher Steuerhinterziehung. Da war nichts dran. Ende des Jahres 2010 statteten ein Professor, der Jahns nicht mochte und ihm misstraute, und ein weiterer Hochschulangehöriger den Spiegel mit Material über Jahns aus.

Kurz darauf erschien in dem Magazin eine Geschichte darüber, dass Jahns Funktionen in Beratungs- und Beteiligungsfirmen habe, die wiederum in engen Beziehungen zur EBS stünden. Es handele sich um ein relativ undurchschaubares Geflecht.

Diese Beschreibung war korrekt. Das Jahns'sche System war intransparent. Jede Kritik daran war berechtigt. So war er unter anderem mit 25 Prozent an der Firma Brain-Net AG beteiligt, die mit der EBS eng verwoben war und sich unter anderem um die Akquise von Geldern von Drittunternehmen kümmerte. Es fehlte an notwendigen Verträgen und ordentlichen Vereinbarungen zwischen den Partnern.

Zwar hatte Jahns die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young beauftragt, die Konstruktion zu prüfen, doch das Ergebnis traf erst an dem Tag ein, als das Hamburger Magazin seine Fragen an Jahns schickte.