Ex-Rektor der European Business School Tiefer Fall eines Überfliegers

Als Präsident einer privaten Hochschule war Christopher Jahns sehr erfolgreich. Bis er wegen des Verdachts auf Untreue verfolgt wurde und alles verlor. Sein Absturz erzählt viel über die Welt der Justiz und der Medien - und erinnert an den Fall Wulff.

Von Hans Leyendecker

Christopher Jahns, Jahrgang 1969, hatte früh einen guten Lauf. Er promovierte in München zum Dr. oec. mit "summa cum laude"; mit Mitte dreißig war er Professor und kurz darauf Rektor der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel, die als Eliteschmiede für Manager galt. Dann wurde Jahns zum Präsidenten der privaten Hochschule berufen und zum Vorsitzenden der Geschäftsführung ernannt. Was konnte er noch werden?

Der gebürtige Bremer wurde einer der "Young Global Leader" des World Economic Forum in Davos und Mitglied der European Foundation for Management. Früh hatte er eine eigene Firma gegründet, die gut lief. Jahns arbeitete beim Petersburger Dialog mit, kümmerte sich um Stiftungslehrstühle in China, Indien und Russland und war in einem halben Dutzend Kuratorien und Direktorien unterwegs. Diese Aufzählung ließe sich fortsetzen.

Sein außerordentlicher Fleiß, seine Intelligenz werden von Gewährsleuten gerühmt. Er war erfolgreich, hatte Charisma und galt als Netzwerker mit nützlicher deutscher und schweizerischer Staatsbürgerschaft. Sein berufliches Leben hielt sich an das zeitgenössische Schnittmuster für junge, sehr erfolgreiche Wirtschaftswissenschaftler. Feinde im doppelten Wortsinn hat er sich auch gemacht.

Verfahren wegen des Verdachts auf Untreue

Dass die Laufbahn eines heute 44-jährigen Mannes überwiegend in der Vergangenheitsform geschildert werden muss, hat Gründe. Erst geriet Jahns vor gut dreieinhalb Jahren mit negativen Schlagzeilen in die Medien, und die Staatsanwaltschaft Wiesbaden leitete gegen ihn ein Verfahren wegen Verdachts der Untreue ein. Bis zu zehn Beamte des Hessischen Landeskriminalamts ermittelten - allein die Hauptakten füllen mehr als 10 000 Seiten.

Im vergangenen Jahr wurde gegen ihn der Prozess eröffnet. Im Wesentlichen geht es um die bis heute umstrittene Zuordnung von vier Rechnungen zu je 45 000 Euro. Das Hauptverfahren dauerte trotz des gar nicht so komplizierten Stoffes 43 Verhandlungstage, bis es diese Woche - vorläufig zumindest - eingestellt wurde. Fürs Erste.

Krank, arbeitslos, sozial isoliert

Ausweislich von zwei Gutachten ist Jahns derzeit nicht verhandlungsfähig. Er ist über seinem Fall schwer krank geworden. Psychiater und Neurologen kümmern sich um ihn. Er wird geplagt von Ängsten, ist unkonzentriert, kann nicht schlafen, spürt Herzrasen und hat keinerlei Selbstvertrauen mehr.

Schlimmer noch: Er vertraut den meisten Menschen nicht mehr. Der Mann, der mal zu größten Hoffnungen berechtigte, ist heute arbeitslos. Zwar hat er trotz acht fristloser Kündigungen der Uni vom Arbeitsgericht 380 000 Euro zugesprochen bekommen, aber um die laufenden Kosten bezahlen zu können, musste er sein Haus in der Schweiz verkaufen.

Bis auf den Kontakt zu engsten Familienangehörigen ist der einstige Netzwerker heute sozial total isoliert. Wenn er, wie vor einigen Monaten, als eine Art Mutprobe auf einem Treffen des Vereins Atlantik-Brücke in Berlin auftaucht und von einem Bekannten freundlich begrüßt wird, kann es passieren, dass er Panik verspürt und wegläuft. Dann steht er draußen allein auf dem Gendarmenmarkt, nass geschwitzt. Blickkontakt meidet er. Was denken die anderen über ihn? Alles sehr peinlich.