Eurotunnel unter dem Ärmelkanal EU will Bahnfahrten nach London billiger machen

Der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal ist nicht mal halb ausgelastet. Wenn es nach der EU geht, sollen künftig viel mehr Bahnen zwischen London und dem Kontinent verkehren. Das mangelnde Angebot liegt laut Brüssel an den hohen Gebühren.

Der Europäischen Kommission sind die Nutzungskosten für Bahnfahrten durch den Ärmelkanaltunnel zu hoch. Sie forderte daher Frankreich und Großbritannien auf, die Gebühren zu senken, damit Zugfahrten zwischen den beiden Ländern auch für Passagiere günstiger werden.

"Die Nutzungsgebühren für Passagierangebote und Fracht sind viel höher als sie sein müssten", sagte ein EU-Vertreter. Wegen der hohen Kosten würde der Tunnel nicht so viel genutzt wie er sollte.

Die Betreibergesellschaft Eurotunnel verlangt demnach eine Gebühr von 4320 Euro pro Eurostar-Zug in eine Richtung und 16,60 Euro pro Passagier. EU-Vertreter sagten, die Gebühren sollten ungefähr um die Hälfte gesenkt werden. Ganze 43 Prozent der Tunnelkapazität bleiben derzeit ungenutzt*.

Der Vorwurf: Die Betreibergesellschaft nehme höhere Gebühren als notwendig, um ihren Auto-Shuttle-Service damit zu subventionieren. Auch eine 65 Jahre alte Vereinbarung zwischen dem französischen Staatskonzern SNCF und der Deutschen-Bahn-Gütertochter Schenker wolle die EU dahingehend überprüfen, ob sie noch mit EU-Gesetz übereinstimmt.

Bislang hatte der französische Staatskonzern SNCF das Monopol für Zugverbindungen zwischen dem französischen Calais und dem britischen Dover. Die Behörden hatten erst jüngst den Tunnel durch den Ärmelkanal für alle Anbieter geöffnet.

Damit darf nun auch bald die Deutsche Bahn die Verbindung mit Passagierzügen befahren. Nach dreijähriger Prüfung erteilte die zuständige Kommission vor einer Woche die notwendige Genehmigung.

"Das sind wundervolle Neuigkeiten für Millionen von Passagiere in Nordeuropa", kommentierte Eurotunnel-Chef Jacques Gounon. Nach Angaben der Betreibergesellschaft sind jährlich drei bis vier Millionen neue Passagiere zu erwarten.

Um die Genehmigung für die Deutsche Bahn hatte es lange Streit gegeben. Die französische Regierung und der Alstom-Konzern versuchten mit aller Macht zu verhindern, dass auch ICE-Züge von Siemens durch den Tunnel zwischen Frankreich und Großbritannien fahren dürfen.

Hintergrund war die Sorge um millionenschwere Aufträge für die französische Industrie. Bislang durchqueren den Kanaltunnel nur auf dem französischen TGV basierende Eurostar-Züge sowie Güterzüge und Pendelzüge für Autos, Busse und Lastwagen.

*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version stand ein Satz der Nachrichtenagentur Reuters: "Der Tunnel sei derzeit nur zu 43 Prozent ausgelastet". Das ist nicht korrekt. Tatsächlich sind 43 Prozent der Kapazitäten ungenutzt.