Euro-Bonds-Vorschläge verärgern Merkel:Barrosos große Provokation

EU-Kommissionspräsident Barroso hat mit seinem Plädoyer für Euro-Bonds eine Tür zugeschlagen. Die Reaktion war entsprechend harsch: Noch nie in der Geschichte der EU hat ein deutscher Regierungschef einen Präsidenten der Kommission öffentlich dermaßen abgewatscht, wie Merkel das nun mit Barroso getan hat.

Martin Winter

Es gehört zu den Aufgaben der EU-Kommission, die Europäische Union mit Ideen voranzutreiben. Dazu braucht sie gelegentlich Mut, immer aber Klugheit. Letztere jedoch lässt Kommissionschef José Manuel Barroso mit seinem Vorstoß für Euro-Bonds vermissen.

Anstatt die Debatte über den richtigen Ausweg aus der Krise weit zu öffnen, hat er die Regierung in Berlin damit nur gezwungen, ihre harte Haltung noch weiter zu versteifen. Barroso hat keine Brücke gebaut, sondern eine Tür zugeschlagen.

Noch nie in der Geschichte der EU hat ein deutscher Regierungschef einen Präsidenten der Kommission öffentlich dermaßen abgewatscht, wie Angela Merkel das nun mit Barroso getan hat. Da die deutsche Kanzlerin nicht gerade für heißblütige Spontanität bekannt ist, muss die Provokation von ihr schon als sehr groß empfunden worden sein.

Und in der Tat wollte Barroso mit seinem Vorstoß Berlin unter Druck setzen, von dem Nein zu Euro-Bonds abzurücken. Man kann sich darüber streiten, ob die deutsche Haltung richtig ist. Währungskommissar Olli Rehn räumt immerhin ein, dass es kein "Wundermittel" zur Lösung der Krise gibt. Es ist also leichtfertig, die deutschen Bedenken, die übrigens von einigen in der EU durchaus geteilt werden, einfach so beiseite zu wischen.

Es schadet Europa, wenn die Kommission sich in dieser Krise der EU ausgerechnet mit jenem Land anlegt, das die Schlüsselrolle bei der Bewältigung der Krise spielen muss. Absurd ist es auch, wenn Brüssel gerade die Regierungschefin verprellt, die anders als ihr französischer oder britischer Kollege versucht, die EU als Gesamtladen zusammenzuhalten. Jenes Unternehmen immerhin, über das Barroso präsidiert.

© SZ vom 24.11.2011/hgn/gba
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB