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Nach Corona:Alles auf eine Karte?

Dax nach Biden-Antritt kurz über 14 000 Punkten

Der Dax stieg vergangene Woche zeitweise über 14 000 Punkte. Der Höhenflug beunruhigt manche Anleger.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Die Börsen feiern neue Rekorde, viele Anleger fürchten einen Crash. ETF-Anleger müssen sich mit dem Ernstfall vertraut machen.

Von Victor Gojdka, Frankfurt

Es ist eine seltsame Stimmung dieser Tage rund um die Frankfurter Börse: Auf den Straßen ringsum herrscht pandemische Leere, im Börsensaal aber notieren die Kurse der Leitindizes nahe ihren Höchstständen. Für Marktauguren ist das Grund genug, um von aufziehenden Turbulenzen zu sprechen: Die Aktienmärkte seien inzwischen so teuer, dass in Sachen Pandemie und Impfstoffe nichts schiefgehen dürfe.

Vielen Privatanlegern bereiten solche Aussagen Bauchgrummeln, denn sie haben sich mit ETF-Investments an einen Aktienindex gekettet. Das Prinzip ist einfach: Steigt ein Welt-Aktienindex wie der MSCI All Countries, soll auch der börsengehandelte Indexfonds (ETF) entsprechend steigen. Fällt der Index, machen die Anleger diesen Kurssturz ohne Bremse eins zu eins mit. Das bereitet gerade Neuanlegern Sorge: Sollten sie doch auf einen erfahrenen Fondsmanager setzen?

Sicher, in einzelnen Jahren können Fondsmanager manches abfedern oder gar eine Mehrrendite liefern. Langfristig aber schneidet ihre Bilanz blamabel ab: Über mehr als ein Jahrzehnt - so zeigen es Statistiken - konnte nicht einmal jeder zehnte Fonds überleben und gleichzeitig globale Börsenindizes schlagen. Dass Fonds in einzelnen Jahren besser abschneiden, eignet sich zwar gut fürs Marketing - bringt Anlegern langfristig aber nichts. So sicher wie Crashs an der Börse sind bei vielen Fonds nämlich die hohen Kosten, ihr eingebauter Startnachteil.

Kurskapriolen sind ganz normal, allein in den vergangenen 50 Jahren gab es mehr als sechs große Börsenkrisen

Anleger können der ETF-Strategie auch in Corona-Zeiten treu bleiben, müssen sich nur richtig wappnen: Viele nehmen Crashs an der Börse als etwas Außergewöhnliches wahr, das Profis abfedern müssten. Dabei sind Kurskapriolen völlig normal, allein in den vergangenen 50 Jahren gab es mehr als sechs große Börsenkrisen. Anleger sind gut beraten, den Crash einfach in ihre gedanklichen Planung einzubeziehen. Historisch ging es mit Weltbörsenindizes im Zweifel bis zu 60 Prozent abwärts. Doch danach folgte die Erholung auf dem Fuße, meist innerhalb von zwei Jahren. Im schlimmsten Fall dauerte es beim Industrieländerindex MSCI World nach dem Dotcom-Crash 14 Jahre, bis Anleger nominal wieder im Plus waren. Das galt wohlgemerkt nur für Anleger, die all ihr Geld in Aktien gesteckt hatten. Wer bloß die Hälfte in Aktien steckte, war schneller aus dem Schneider.

Börsenfilme suggerieren oft, am Parkett gehe es hektisch zu. Hektik bringt aber nicht weiter; in Wirklichkeit waren an der Börse Ruhe und Gelassenheit stets die besten Ratgeber. Auch in Corona-Zeiten.

© SZ
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