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ETF:Investieren in die Welt

Mit börsengehandelten Fonds können Anleger sich ein diversifiziertes Portfolio zusammenstellen, das auch relativ günstig ist.

Von Marcel Grzanna

Das Angebot an börsengehandelten Fonds (Exchange Traded Funds, ETF ) wächst kontinuierlich. Beliebt sind Weltportfolios, die mehrere Regionen der Erde abdecken. Doch gänzlich risikolos sind auch die ETF nicht.

Wer sein Geld vermehren will, der sollte es klug anlegen. Auch starke Emotionen können kluge Entscheidungen verhindern. Der wachsende Markt der Finanztechnologie hat dieses Dilemma erkannt und deshalb damit begonnen, die entsprechenden Angebote zu schmieden. Diese Angebote basieren auf den Berechnungen von Algorithmen, um je nach Risikobereitschaft eines Anlegers Entscheidungen zu produzieren, von denen die Anbieter behaupten, dass sie klug sind.

Manchmal stimmt das auch, manchmal aber auch nicht. Denn auch diese sogenannten Robo Advisors machen nicht alles goldrichtig. Manche aktive Strategien der Robos produzieren allzu hohe Betriebskosten durch fortwährende Umschichtungen, die der Anleger ungern, aber zwangsläufig zahlen muss, gemäß der alten Börsenweisheit "Hin und her macht Taschen leer". Das gilt zwar nicht kategorisch, kann aber vorkommen, und schmerzt vor allem dann, wenn die aktiven Eingriffe den Gewinnzuwachs nicht erhöhen.

ETF gelten als transparent, liquide und relativ günstig

Für die Nutzung eines Robo Advisors sprechen zunächst einmal die vergleichsweise geringen Kosten im Vergleich zur klassischen Vermögensverwaltung mit persönlicher Beratung. Es ist auch möglich, die Basiskosten der Geldanlage noch weiter zu senken, indem Anleger noch einen Schritt weitergehen und sich ein eigenes Portfolio zusammenstellen. Der Anleger macht dann im Grunde das gleiche wie der Robo Advisor, spart sich aber die Kosten für dessen Service.

Äußerst beliebt für diese Form der kontrollierten Kapitalanlage sind die ETF. Das sind Fonds, die an der Börse gehandelt werden und die Wertentwicklung eines Index 1:1 nachzeichnen. Der Vorteil ist, dass Anleger mit ETF ihr Geld weltweit streuen können. "Mit einem einzigen ETF kann man in einen ganz breiten Markt mit nur einem einzigen Produkt investieren. Das macht ihn so attraktiv", sagt Jan Altmann von justETF, einem Onlineportal und Anbieter von Musterportfolios.

Es müssen nicht nur Aktien sein, die einen ETF bilden. Auch andere Anlagewerte wie Anleihen, Edelmetalle oder Rohstoffe sind möglich. Einfache, passive ETF sind zudem nicht besonders teuer, weil sie nichts anderes tun als einem Index zu folgen. Ein ETF, der beispielsweise den Deutschen Aktienindex (DAX) abbildet, stammt vom Luxemburger Anbieter Lyxor Funds Solutions und kostet jährlich 0,08 Prozent Gebühren. Experten empfehlen meist einen Index wie den MSCI World mit einer weltweiten Streuung. Zudem sind ETF transparent. Jeder Anbieter bietet ständig aktualisierte Zusammensetzungen seiner ETF im Internet, so dass jeder Investor genau nachvollziehen kann, in was er gerade sein Geld steckt. Und ETF gelten als liquide, was nichts anderes bedeutet, dass die Unterschiede zwischen An- und Verkaufspreisen sehr niedrig sind. Heißt auch, dass es keine Nischenprodukte für Sonderlinge sind, sondern bewährte Massenware. Heute gibt es rund 1400 notierte ETF allein in Deutschland, und es kommen immer neue dazu. Auch die Zahl von ETF-Sparplänen, die Onlinehändler konzipieren, beläuft sich bereits auf rund 1200. Die Angebote können sogar teils kostenfrei bespart werden, auf die Kosten sollte geachtet werden.

Auch Verbraucherschützer bewerten ETF insgesamt positiv, wenn auch nicht uneingeschränkt. Denn auch ETF haben ihre Risiken. Die Verbraucherzentrale gibt zu Bedenken, dass sich praktisch alle Gesellschaften die Möglichkeit vorbehalten, die Wertpapiere im Besitz des Fonds zu verleihen. Die Leihenden zahlen im Gegenzug eine Gebühr, die zwar wiederum den ETF-Anlegern zugute kommt. Doch die zusätzlichen Renditen gibt es nicht ohne zusätzliches Risiko. Denn geht das Geschäft schief und der Ausleihende wird zahlungsunfähig, erhält der Fonds die Papiere womöglich nicht zurück. Die ETF-Anbieter versuchen, sich dagegen abzusichern, indem sie Wertpapiere nur gegen Sicherheiten verleihen. Einen hundertprozentigen Schutz lässt sich aber auch dadurch nicht gewährleisten. Dennoch lautet das Fazit der Verbraucherzentrale: "Trotz dieser Schwächen schneiden ETF im direkten Vergleich mit aktiv gemanagten Fonds gut ab und sogar relativ transparent. Und die Nachteile der ETF treffen zum Teil auch auf aktiv gemanagte Fonds zu, denn auch diese verwenden beispielsweise Derivate oder tätigen Wertpapiergeschäfte."

Experten empfehlen einen breiten Index wie den MSCI World

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass keine Kapitalanlage hundertprozentige Sicherheit bietet. Ein psychisches Hindernis, sich selbst ein Portfolio zusammenzustellen, besteht für den unerfahrenen und vielleicht auch ängstlichen Anleger besonders darin, aus der riesigen Auswahl an ETF sein Portfolio wählen zu können. Mit etwas Zeit und Lust kann man sich aber durchaus bald schon zurechtfinden.

Beliebt sind vor allem sogenannte Weltportfolios, die sich nicht auf einen einzigen Markt beschränken, sondern auch Schwellenländer einbeziehen oder andere Wachstumsmärkte. "Das Portfolio sollte günstig sein, viele Werte global enthalten, für langfristiges Investment geeignet sein und vielleicht vier bis sieben ETF enthalten", empfiehlt Analyst Jan Altmann.

Typisch für ein Weltportfolio wären Werte aus Nordamerika, Europa, aber auch Japan und dem Asien-Pazifik-Raum sowie Schwellenländer, zu denen China den mit Abstand größten Beitrag leistet. Welcher Index sich für den Einsteiger anbietet, hängt auch davon ab, wie viele ETF dazu angeboten werden. Je mehr ETF es sind, desto größer ist wohl die Nachfrage in diesen Index. Experten raten dazu, ETF auszuwählen, die mindestens 100 Millionen Euro groß sind und bereits älter als drei Jahre sind, wenn das Ziel eine langfristige Geldanlage ist. "Diese Kriterien senken die Wahrscheinlichkeit, dass der ETF geschlossen wird, erheblich", sagt Altmann.

© SZ vom 04.06.2020
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