Erwin Müller und die Schweizer Bank Sarasin:Vergleich mit "kriminellen Umsatzsteuerkarussellen"

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Von der HVB führen bereits seit Längerem deutliche Spuren zur alten Sarasin-Bank, denen die Behörden nachgehen. Und jetzt kommt auch noch der Ulmer Patriarch Müller und liefert stapelweise Material gegen Sarasin. Der geschäftstüchtige Schwabe macht das allerdings nicht nur aus Vaterlandsliebe, sondern weil ihm fast 50 Millionen Euro verloren gehen könnten. Müller hatte zuletzt wieder viel Geld bei Sarasin investiert; in ein Anleihemodell, das angeblich zwölf Prozent Rendite bringen sollte.

Erwin Müller, 2002

Erwin Müller 2002 in seinem Büro in Ulm.

(Foto: DPA)

Die Schweizer Bank hatte bei Kapitalanlegern rund 250 Millionen Euro eingesammelt, die über eine Luxemburger Gesellschaft an US-Pensionsfonds gingen. Die nahmen noch zusätzlich Kredite auf, handelten in großem Stil mit Aktien, und beantragten hinterher in Deutschland Steuererstattungen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro. Der mittlerweile wegen solcher Deals höchst alarmierte Fiskus zögert aber seit nun schon zwei Jahren, die Millionen herauszurücken.

Der Vorwurf: arglistige Täuschung und Betrug

Bleiben die Finanzbehörden weiter stur, dann verlieren Anleger wie Müller viel Geld. Das mag der alles andere als konfliktscheue Drogerie-König nicht hinnehmen. Er fordert fast 50 Millionen Euro Schadenersatz von Sarasin; er hat bereits eine erste Klage beim Landgericht Ulm eingereicht; und er hat vier aktive und ehemalige Manager der Schweizer Privatbank bei der Staatsanwaltschaft Zürich angezeigt. Der Vorwurf: arglistige Täuschung und Betrug. Außerdem kooperiert Müller über seinen Anwalt Seith mit den deutschen Behörden, die Cum-Ex-Geschäfte untersuchen.

Der schwäbische Patriarch teilt ganz schön heftig aus, und sein Stuttgarter Anwalt Seith legt kräftig nach. Seith vergleicht die fraglichen Cum-Ex-Deals mit "kriminellen Umsatzsteuerkarussellen". Es sei einzig und allein darum gegangen, sich am deutschen Fiskus "hemmungslos zu bereichern". Müller sei das verschwiegen worden, und hätte der das auch nur geahnt, dann hätte er natürlich nie mitgemacht. Wegen solcher Äußerungen hat Seith Post bekommen, von der Kanzlei Hengeler Müller, einer der ersten Adressen in der deutschen Wirtschaft.

Müller wird nicht schnell aufgeben

Hengeler Müller kümmert sich um die Deutsche Bank, um Siemens und neuerdings auch um J. Safra Sarasin. Die Privatbank fordert via Hengeler Müller, dass Erwin Müller und sein Anwalt diverse Vorwürfe zurücknehmen, und droht den beiden mit "rechtlichen Konsequenzen". Im Übrigen habe der Drogist mit früheren, ähnlichen Engagements bei Sarasin erhebliche Profite gemacht und deshalb von sich aus gefragt, ob er nochmals ein "solches Investment" machen könne, so Hengeler Müller.

Geld kann der Drogerie-König aus Ulm bestimmt gebrauchen, nachdem er 2012 bei Finanzwetten gegen den Schweizer Franken 235 Millionen Euro verloren hat. Und stur ist er ohnehin. Die Stadt Ulm wollte Ende der Neunzigerjahre eine gemütliche Fischerhütte an einem Baggersee abreißen lassen, die Müller gekauft hatte und die sich als Schwarzbau erwies. Der schwäbische Dickschädel stritt so lange mit der Stadt, bis er nach einem Deal seine Hütte behalten durfte.

Im Streit mit der Schweizer Privatbank wird Müller erst recht nicht schnell aufgeben. Andererseits sind die Sarasins und Safras Gegner von Format. Die Sarasins, einer von ihnen gehört noch zur Bankspitze, sollen von Sarazenen abstammen. Das waren kampferprobte Leute. Und ein frühes Familienoberhaupt der Safras hat mal gesagt: "Wenn du dich entschließt, ins Bankengeschäft einzusteigen, dann baue deine Bank wie ein Schiff, das stark genug ist, sicher durch jeden Sturm zu segeln."

Wie die Aktiendeals funktionieren und wie die Steuerfahndung nun dagegen vorgeht, lesen sie hier.

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