Ernteverluste "Für einige Betriebe ist die Situation existenzbedrohend"

Der Regen kam zu spät: Für die Landwirte in Brandenburg ist 2018 ein schlechtes Jahr. Frank Pleßmann ist einer von ihnen.

Interview von Julia Kitzmann

So sehr sich die Mehrheit der Deutschen an dem frühen Sommerbeginn in diesem Jahr erfreute, so verheerend war er doch für die Landwirte gerade in Brandenburg. Der ausbleibende Regen hat zu massiven Ernteeinbußen geführt. Auch auf dem Hof von Frank Pleßmann. Auf 280 Hektar baut er in der Uckermark Weizen, Gerste, Erbsen und Ackerbohnen an. Im Interview spricht der Landwirt über Risiken und einen möglichen Strategiewechsel in der Landwirtschaft.

SZ: Welche Auswirkungen hat die Dürre für Sie und Ihren Betrieb?

Frank Pleßmann: Wenn man alle Kosten mit einrechnet, dann werden die Verluste wohl zwischen 200 und 500 Euro je Hektar liegen. Im Schnitt haben wir Ernteeinbußen von mehr als 50 Prozent. Wenn man sich vor Augen führt, dass man in guten Jahren 20 bis 30 Prozent Gewinn erwirtschaftet, dann wird klar, dass das ein dramatisches Jahr ist. Die Situation ist umso gravierender, da die beiden letzten Jahre ebenfalls von Trocken- und Hitzewellen geprägt waren. Für uns Landwirte in der Uckermark ist es also das dritte Jahr in Folge mit mäßigen oder sehr schlechten Erträgen.

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Wie bedrohlich ist die Lage?

Für einige Betriebe ist die Situation existenzbedrohend. Ein schlechtes Jahr kann man wegstecken, zwei vielleicht auch, aber wenn es im dritten immer noch nicht besser wird, dann ist es schwer. Um ein schlechtes Jahr auszugleichen, braucht man mindestens zwei oder drei mittlere oder gute Jahre. Erst dann kann man wieder nach vorne schauen.

Welche Erzeugnisse sind betroffen?

Der Raps ist in diesem Jahr in Norddeutschland besonders stark betroffen. Im Grunde aber auch alle anderen Früchte, insbesondere die sogenannten Sommerungen, also die Sommergetreidearten. Gleiches gilt für den Mais. Einige Landwirte werden Schwierigkeiten haben, ausreichend Futter zu produzieren. Vor allem für die Milchviehbetriebe ist das gravierend.

Denken Sie, dass die vielen Dürrephasen mit dem Klimawandel zusammenhängen?

Wir werden sehen. Auch wenn es in diesem Jahr besonders schlimm ist - trockene Perioden gab es in der Vergangenheit immer wieder mal. Zum Beispiel Ende der 1970er oder Anfang der 90er Jahre. 2003 war die Situation ebenfalls gravierend.

Wie reagieren Sie auf die Situation?

Den Gürtel enger schnallen und hoffen, dass es nächstes Jahr wieder besser wird. Aber es stellt sich natürlich die Frage, ob wir eine andere Strategie brauchen.

Interview am Morgen

Diese Interview-Reihe widmet sich aktuellen Themen und erscheint von Montag bis Freitag spätestens um 7.30 Uhr auf SZ.de. Alle Interviews hier.

Wie könnte die aussehen?

Ich denke, es könnte sinnvoll sein, die Intensität des Landbaus zu verringern. Eigentlich ist Deutschland ein Hochertragsstandort. Deshalb wird viel Dünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Vielleicht müssen sich Landwirte zumindest hier in der Gegend darauf einstellen, nicht mehr so intensiv zu wirtschaften und geringere Erträge anzustreben. Das bedeutet ein geringeres Risiko.

Ein Beispiel: In guten Jahren kann man in der Uckermark im konventionellen Bereich acht Tonnen Weizen ernten. Dazu muss der Landwirt aber entsprechend intensiv düngen und spritzen. Die Entscheidung, die Pflanzenschutz- und Düngemittel einzusetzen, fällt schon im April. Wenn es danach nicht regnet, dann hat er Pech gehabt. Erntet er wegen der Wasserknappheit nur vier Tonnen, dann hat er zu viel Geld für Pflanzenschutz- und Düngemittel ausgegeben. Wenn ich als Landwirt aber nur noch mit einem Ertrag von sechs Tonnen rechne und wegen einer Trockenperiode vier Tonnen ernte, dann ist der Unterschied nicht so groß. Der Pflanzenbau ist damit pro Hektar nicht so intensiv und teuer, weil ich auch weniger Dünger und Pflanzenschutzmittel einsetze.

Gibt es Landwirte, die ihre Ziele so anpassen?

Wegen der Ausfälle der vergangenen Jahre haben einige Betriebe in Norddeutschland auf die ökologische Produktion umgestellt, die weniger intensiv ist und deshalb ohnehin geringere Erträge erzielt. Sie hoffen auf etwas bessere Preise für Öko-Getreide und andere Öko-Produkte.

Gibt es noch Hoffnung für die Ernte in diesem Jahr?

Für die diesjährige Ernte würde mehr Regen nur noch etwas im Mais- und Futteranbau bringen. Einige Betriebe werden die sehr frühe Ernte nutzen, um Zwischenfrüchte wie Kleegras anzubauen. So können sie diese eventuell im Herbst als Futter für Kühe ernten. Ich hoffe, das klappt.

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