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Ermittlungen:Spur nach München

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Wirecard vor einigen Wochen auf der Tourismusmesse ITB in Berlin.

(Foto: Stefan Boness/imago)

Mitarbeiter aus der Wirecard-Zentrale sollen von dubiosen Vorgängen gewusst haben. Dokumente sollen gefälscht worden sein.

Von fragwürdigen Vorgängen im Asiengeschäft des Dax-Konzerns Wirecard sollen auch hochrangige Manager des Unternehmens in Deutschland gewusst haben. Das berichtet die Financial Times. Die betreffenden Transaktionen waren bereits in einem ersten, vorläufigen Report der Anwaltskanzlei Rajah & Tann aus Singapur erwähnt worden. Die Anwälte waren von Wirecard im vergangenen Jahr mit Untersuchungen beauftragt worden. Die Transaktionen werden derzeit auch vom Commercial Affairs Department, einer Untereinheit der Polizei in Singapur, untersucht. Es geht um den Verdacht der Fälschung von Dokumenten sowie um Betrug und Geldwäsche. Das lässt sich aus Unterlagen der Staatsanwaltschaft in Singapur entnehmen, welche auch die SZ einsehen konnte.

Wirecard ist eigenen Angaben zufolge einer der weltweit führenden Dienstleister beim Abwickeln von elektronischem Zahlungsverkehr. Wirecard-Chef Markus Braun beschrieb den Vorfall zuletzt als Streit zwischen zwei Mitarbeitern in Singapur. Wirecard selbst sprach am Donnerstag von "Unterstellungen und ungerechtfertigten Anschuldigungen". Interne Mails aus dem Jahr 2018, aus denen die FT zitiert, lassen allerdings auch einen anderen Schluss zu. Demnach sollen mehrere deutsche Mitarbeiter von mindestens einer Transaktion gewusst haben. Die hochrangigen Mitarbeiter besprachen in Mails offenbar eine Kapitalerhöhung der Tochtergesellschaft von Wirecard in Hongkong, um bestimmte Auflagen zu erfüllen. Das Kapital von Wirecard in Hongkong sollte um zwei Millionen Euro aufgestockt werden. Um das zu erreichen, sollen mehrere Führungskräfte einen ungewöhnlichen Plan erdacht haben: Dessen Ziel könnte es gewesen sein, Geld durch verschiedene Subeinheiten von Wirecard zu leiten, wodurch bestimmte Umsätze doppelt gebucht worden seien könnten, was einen höheren Gesamtumsatz zur Folge hätte.

Zuerst sollten die zwei Millionen Euro von Wirecard Deutschland nach Hongkong fließen. Dort sollte das Geld dazu dienen, eine Lizenz für die Herausgabe von Prepaidkarten zu kommen. Von dort aus, so haben die Mitarbeiter es offenbar in den Mails besprochen, sollten die zwei Millionen Euro an eine externe Firma namens Testro Consulting Limited und von dort später zu Hermes fließen, einer Tochtergesellschaft von Wirecard. Doch offenbar gab es Probleme und so soll anstatt Testro Consulting die Firma Inventures als Zwischenstation genutzt worden sein, berichtet die FT. Dem Bericht zufolge soll später auch ein weiterer führender Mitarbeiter bei Wirecard in den Plan eingeweiht worden sein und sich um die Transaktion gekümmert haben. Das Geld soll schließlich von Deutschland nach Hongkong geflossen sein. Ob es dann über die Zwischenstation tatsächlich weitergeleitet wurde, ist unklar.

Wirecard erklärte auf Anfrage, diese Themen seien "alt". Das Unternehmen verwies auf den geplanten Schlussbericht der mit einer internen Untersuchung beauftragten Anwaltskanzlei. Zudem sei Wirecard kurz vor der Präsentation der jährlichen Unternehmenszahlen und deshalb in einer "Quiet Period". Das bedeutet, das Unternehmen kommuniziert weniger, um bestimmten Investoren keinen Vorteil gegenüber anderen zu verschaffen.

Die Turbulenzen um Wirecard hatten mit dem Hinweis eines Whistleblowers begonnen und zu einem vorläufigen Prüfbericht der Anwaltskanzlei Rajah & Tann geführt. Die Kanzlei hatte darin mehrere mögliche Vorfälle aufgeführt, darunter unter anderem die Fälschung von Verträgen sowie Geldwäsche. Der Abschlussbericht steht noch aus.