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Entschädigung für faule Kredite:Provinzbanker gegen Wall-Street-Haie

Deutsche Landesbanken haben bei Immobiliengeschäften mit amerikanischen Geldinstituten Milliarden verloren. Nun wollen sich offenbar einige von ihnen zusammentun, um gegen die Wall Street zu klagen.

Einige europäische Banken beraten offenbar darüber, amerikanische Geldinstitute auf Entschädigung zu verklagen. Das meldet das Handelsblatt.

Mehrere Wall-Street-Institute hatten europäischen Banken fehlerhafte Hypothekenanleihen verkauft. Die deutschen Landesbanken, die damals vom Immobilienboom profitieren wollten, haben dadurch große Verluste erlitten. So wurde erst kürzlich die Bonität der Landesbanken Baden-Württemberg, Hessen-Thüringen und der NordLB von der Ratingagentur Moody's herabgestuft.

Die NordLB darf auf Anweisung der EU-Kommission zwei Jahre lang keine Gewinnbeteiligung ausschütten. Die Bank soll sich zunächst rekapitalisieren. Außerdem sollen mittelfristig 650 Stellen gestrichen werden.

Nun hoffen einige Banken, durch die Klage eine Entschädigung für die faulen Papiere zu bekommen. Nach Schätzungen könnten die amerikanischen Banken verurteilt werden, insgesamt 20 Milliarden Dollar an die Geschädigten zu zahlen. Es wäre ein Kampf der Kleinen gegen die Großen: es dürften recht unterschiedliche Mentalitäten aufeinander treffen - in einem Streit europäischer Provinzbanken und großer Wall-Street-Geldhäuser. Die Europäer müssten daher geschlossen und konsequent auftreten, analysiert das Handelsblatt.

Bayern LB hat bereits geklagt

Einen Sonderweg geht schon seit längerem die Bayern LB. Sie hat bereits vier Klagen in den USA eingereicht. Zuletzt im Mai gegen die Bank of America beim New York Supreme Court. Die Bayern LB hatte zwischen 2005 und 2007 Immobilienpapiere von der Bank of America gekauft. Darin seien falsche Angaben zur Qualität des Portfolios gemacht worden, wirft die Bayern LB der US-Bank vor. Es soll um mehrere hundert Millionen Dollar gehen.

Die anderen europäischen Banken haben nun nicht mehr lange Zeit, sich zu beraten: Käufer hätten nach Geschäftsabschluss sechs Jahre lang Zeit, um gegen die Institute vorzugehen. Somit würden für einige Papiere die Fristen Anfang des nächsten Jahres auslaufen.

Sowohl die Landesbank Baden-Württemberg als auch die Bayern LB haben allerdings schon einmal Entschädigungen bekommen. Die Bank of America hatte 2011 nach einem Vergleich vor Gericht insgesamt 8,5 Milliarden Euro Schadenersatz an 22 Investoren gezahlt, die beiden Landesbanken waren auch darunter.

© Süddeutsche.de/dapd/vgr/mkoh

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