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Energiewende:Erdkabel-Kompromiss wird teure Konsequenzen haben

Die geplanten Stromtrassen von Nord nach Süd sollen in der Erde verschwinden. Wo werden jetzt Bürger überhaupt noch neue Strommasten erdulden?

Ein Kommentar von Michael Bauchmüller

Wenn sich schöne Landschaft kaufen ließe, dann gäbe es in Deutschland einiges zu tun. Ganze Autobahnen müssten in Tunneln verschwinden, statt Idyllen zu durchschneiden, so manche Industriehalle und - klar - viele Stromleitungen auch. Es ist alles eine Frage des Geldes.

In einem Akt großkoalitionärer Großzügigkeit hat die Bundesregierung ein bisschen davon locker gemacht. Die neuen Stromleitungen von Nord nach Süd, von Bürgerinitiativen schon vor ihrem Bau "Monstertrassen" getauft, werden nicht an Strommasten hängen, sondern im Boden verschwinden. Erdkabel, so hat das Bundeskabinett beschlossen, sollen den Strom transportieren, unterirdisch. Das kostet Milliarden, wahrscheinlich mehr, als der Bund derzeit annimmt. Aber es sorgt wenigstens für Ruhe, vor allem beim Koalitionspartner CSU.

Die Ruhe hat einen hohen Preis

Dieser Frieden ist teuer erkauft, doch billiger wäre er nicht mehr zu haben gewesen. Gegen den Widerstand der Bevölkerung lässt sich eine Stromtrasse nicht mehr bauen - auch weil dieses Land vielerorts schon so zerschnitten, zersiedelt und verbaut ist. Jede neue Infrastruktur ist da eine zu viel.

Zudem würde es alle gemeinsam noch teurer kommen, würden die Leitungen überhaupt nicht gebaut: Immer öfter müssten Windräder im Norden stillstehen, weil sie ihren Strom nicht loswerden, während im Süden Kraftwerke anlaufen, damit es genug Strom gibt. Sinnvoll wäre das nicht. Und stabiler wird das Stromsystem auch durch die neuen Kabel.

Aber die Einigung wird teure Folgen haben für alle anderen Stromleitungen. Wo immer nun neue Masten errichtet werden sollen, werden Bürger Erdkabel verlangen - auch weit jenseits der großen Nord-Süd-Trassen. Warum Bürger noch neue Strommasten erdulden sollen, das lässt sich seit diesem Mittwoch weit schwerer erklären als je zuvor.

© SZ.de/hgn
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