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Einzelhandel:Kanadier wollen Carrefour kaufen

Mit einer Übernahme könnten die Kanadier ihre Präsenz in Europa stärken. Aktien des französischen Einzelhändlers steigen um 14 Prozent.

Europas größter Einzelhandelskonzern Carrefour ist ins Visier des kanadischen Konkurrenten Alimentation Couche-Tard geraten. Couche-Tard sei auf die Franzosen zugekommen, um einen Zusammenschluss zu erörtern, teilte Carrefour in der Nacht zum Mittwoch mit. Die Kanadier bestätigten die Gespräche. Die Aktien des französischen Händlers schossen zwischenzeitlich um rund 14 Prozent in die Höhe und notierten bei einem Jahreshoch von 17,76 Euro. Carrefour war am Dienstag an der Börse noch rund 12,64 Milliarden Euro wert. Couche-Tard bringt hier mit einer Marktkapitalisierung von rund 37 Milliarden Dollar deutlich mehr auf die Waage. Mit einer Übernahme könnten die Kanadier ihre Präsenz in Europa stärken.

Analysten hatten angesichts der wachsenden Konkurrenz durch Online-Händler eine Konsolidierung des Marktes in Europa und Frankreich erwartet. Zudem wachsen die Lebensmittelhändler in der Corona-Krise - sie sind von den staatlichen Lockdowns in der Regel nicht betroffen. Auch der nordamerikanische Sysco-Konzern hatte dem Management der Düsseldorfer zufolge Gespräche mit dem Großhändler Metro geführt - diese blieben aber ohne Ergebnisse.

Die erst 1980 gegründete Couche-Tard betreibt in ihrem Heimatmarkt vor allem Tankstellen und die angeschlossenen Läden, weltweit hat der Konzern mit mehr als 130 000 Beschäftigten - rund 22 000 davon in Europa - mehr als 14 200 Läden. In Europa ist der Konzern vor allem in Skandinavien und in den baltischen Staaten vertreten. Im vorigen Geschäftsjahr setzte er knapp 60 Milliarden Dollar um.

Der 1959 gegründete Konzern Carrefour war einer der ersten, der sogenannte Hypermärkte baute, also sehr große Supermärkte, die mit ihrem Sortiment und ihren Ausmaßen beinahe Einkaufszentren gleichen. Derzeit verfügt Carrefour über knapp 13 000 Märkte in mehr als 30 Ländern. Dabei decken die Franzosen die ganze Bandbreite von Supermärkten bis zu Großmärkten ab.

Analysten sehen die Übernahmepläne aber nicht nur positiv. Sie gaben zu bedenken, dass es zwischen den beiden Händlern kaum Synergien gebe. Auch geografisch existierten kaum Überschneidungen. Beide Konzerne betonten, es sei noch völlig offen, ob die Gespräche zu greifbaren Ergebnissen führten.

© SZ vom 14.01.2021 / Reuters, SZ
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