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EEG-Umlage:Zwölf Euro mehr im Jahr

Die Bundesregierung hat in ihrem Klimapaket festgelegt, dass die Ökostromumlage von 2021 an sinken soll. Doch im kommenden Jahr wird die Abgabe erst einmal wieder steigen. Stromkunden drohen höhere Preise.

Die Energiewende wird für Stromkunden im kommenden Jahr wieder etwas teurer: Die sogenannte EEG-Umlage, mit der Haushalte und Industrie den Ausbau von Erneuerbaren wie Windrädern oder Solaranlagen mitfinanzieren, werde 2020 leicht von 6,405 auf 6,756 Cent pro Kilowattstunde steigen. Das teilten die vier zuständigen Übertragungsnetzbetreiber - Amprion, Tennet, 50 Hertz und Transnet BW - am Dienstag mit. Zuvor war sie zwei Jahre hintereinander gesunken, wenn auch nur leicht.

Die EEG-Umlage macht in Deutschland etwa ein Fünftel des Strompreises aus. Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden entstehen durch die Erhöhung Mehrkosten von gut 12 Euro im Jahr. Insgesamt muss ein solcher Haushalt rund 235 Euro für diesen Posten zahlen. Die Umlage wird von den Energieversorgern über die Stromrechnung weitergereicht. Ob und wann sie die gestiegenen Kosten weitergeben, ist allerdings von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich.

Eingeführt wurde die EEG-Umlage einst, um den Ausbau von Erneuerbaren wie Windkrafträdern und Solaranlagen zu beschleunigen, indem man Betreibern solcher Anlagen eine Art Prämie auszahlt. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz sichert ihnen eine feste Vergütung für jede produzierte Kilowattstunde zu. Weil diese garantierte Vergütung häufig viel höher ist als der Marktwert des produzierten Stroms, entsteht jedes Jahr ein milliardenschwerer Fehlbetrag. Verbraucher und Industrie gleichen ihn über die EEG-Umlage aus. Je größer die Differenz zwischen Börsenpreis und der garantierten Vergütung ist, desto mehr müssen sie am Ende zahlen. Industriebetriebe mit hohem Stromverbrauch und der Schienenverkehr werden bei der Umlage teilweise entlastet, 2018 erhielten 2156 Unternehmen eine entsprechende Ermäßigung.

Für Verbraucher könnte der Strompreis in den nächsten Monaten auch durch andere Effekte steigen als durch die EEG-Umlage. So haben zum Beispiel die Übertragungsnetzbetreiber bereits angekündigt, die Netzentgelte um 15 Prozent zu erhöhen. Deutschland hat im europäischen Vergleich schon jetzt die höchsten Strompreise, gemeinsam mit Dänemark. Gut die Hälfte der etwa 30 Cent pro Kilowattstunde (je nach Anbieter) entfallen dabei auf Steuern, Umlagen und andere Gebühren. Die EEG-Umlage ist dabei einer der besonders großen Posten.

Zwischen 2009 und 2016 war die EEG-Umlage besonders stark gestiegen. Damals war der Strom an den Märkten zeitweise sehr billig. Daraus ergab sich eine größere Differenz, die über die Umlage ausgeglichen werden musste. In den vergangenen Jahren entspannte sich die Situation. Die Umlage konnte für 2018 und 2019 auch dadurch gesenkt werden, dass auf dem Verrechnungskonto der Netzbetreiber ein milliardenschwerer Überschuss angefallen war. Dieser ist inzwischen abgeschmolzen. Auch deshalb wird es jetzt wieder teurer.

Mittelfristig dürfte die Umlage aber wieder kleiner ausfallen. Das ist zumindest das Ziel der Bundesregierung. Im Rahmen ihres Klimapakets hat sich die Koalition darauf verständigt, die EEG-Umlage zu senken. Sie will damit die Stromkunden entlasten, die an anderer Stelle bald mehr zahlen dürften, etwa durch die geplante Besteuerung von CO². 2021 soll die EEG-Umlage um 0,25 Cent gesenkt werden, im Jahr drauf soll sie um 0,5 Cent geringer ausfallen, im Jahr 2023 soll die EEG-Umlage schließlich um 0,625 Cent pro Kilowattstunde gesenkt werden.

Dem Bundesverband der Energiewirtschaft (BDEW) geht das nicht weit genug. "Was die Bundesregierung im Rahmen ihres Klimapakets hier plant, ist zu wenig", teilte der Lobbyverband am Dienstag mit. Zielführender sei es, die Stromsteuer abzusenken. Der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU), der viele deutsche Stadtwerke vertritt, äußerte sich ähnlich. "Im europäischen Vergleich zahlt der deutsche Stromkunde schon heute die höchsten Endkundenpreise", sagte die Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche, die vor einem Wechsel zum Energiekonzern Eon steht. "Die Bundesregierung hätte im Rahmen ihres Klimaschutzprogramms die Gelegenheit nutzen müssen, eine grundlegende Reform des Systems der Abgaben, Umlagen und Steuern in Verbindung mit einer sektorübergreifenden CO²-Bepreisung auf den Weg zu bringen." Die geplante Entlastung beim EEG sei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) verteidigte die Politik der Koalition. Es sei sein Kernanliegen, dass die Strompreise bezahlbar blieben. Mit der geplanten Absenkung der Umlage entlaste man sowohl die Bürgerinnen und Bürger als auch kleine und mittleren Unternehmen.