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E-Autos:Jetzt auch noch General Motors

Kein Verbrennermotor mehr unter der Haube: Der Entwurf eines elektrisch angetriebenen Cadillac, der Luxusmarke aus dem Hause GM.

(Foto: AFP)

Der Traditionskonzern aus den USA wird 2035 den Verkauf von Verbrennerautos stoppen. Die Reaktion ist interessant.

Von Max Hägler

Um zu ermessen, was die Umstellung auf Elektromobilität für General Motors (GM) bedeutet, muss man sich einen Hummer vorstellen. Dieses riesige Geländefahrzeug, das die US-Armee in Afghanistan einsetzt und manche Rapper in Berlin-Neukölln und das aus dem Hause GM stammt: In der größten Konfiguration verbraucht ein Hummer 24 Liter auf Hundert Kilometer, was knapp 500 Gramm CO₂ pro Kilometer entspricht. Mehr geht kaum.

So was passt nicht mehr in die Zeit, selbst in den USA nicht. Das sah auch GM-Chefin Mary Barra und hat das Trumm bereits umbauen lassen - auf Elektro. Nun geht sie noch einen Schritt weiter, den konsequentesten: Dieser bedeutende Automobilkonzern mit Hauptsitz in Detroit wird ab dem Jahr 2035 keine Wagen mit Verbrennermotoren mehr verkaufen. Vor allem mit den Marken Cadillac und Chevrolet kommt das Unternehmen in den USA auf einen Marktanteil von 17 Prozent - in 15 Jahren soll kein Neuwagen mehr Schadstoffe ausstoßen: "General Motors schließt sich Regierungen und Unternehmen rund um die Welt bei der Arbeit für eine sicherere, grünere und bessere Welt an", erklärte Barra in dieser Woche.

Das ist sehr bemerkenswert, weil die USA insgesamt bislang weniger auf Elektromobilität setzten als andere Regionen wie Europa oder China. Aber die Politik treibt, allen voran der Bundesstaat Kalifornien: Dort ist nicht nur der Konkurrent Tesla aktiv, sondern die Regierung dort hat einen Ausstieg aus dem Verbrenner für 2035 angeordnet, so wie zuletzt Japan. Auch für den neuen US-Präsidenten Joe Biden hat der Klimaschutz und damit die Elektromobilität eine hohe Priorität.

Immer deutlicher wird damit, dass sich das Zeitalter von Benzin und Diesel einem Ende zuneigt: Nach Berechnung des Beratungsunternehmens McKinsey haben nun 15 Autofirmen den Verbrennerausstieg angekündigt, die für drei Viertel des Marktes stehen: Mercedes und VW wollen etwa Mitte dieses Jahrzehnts die Entwicklung neuer Verbrennermotoren stoppen, wobei die Aggregate nach Jahrzehnten sowieso nahe der Perfektion und des physikalischen Optimums sind und durchaus noch länger weiter verkauft werden könnten.

Auf breiter Fläche wird also umgedacht, ohne dass eine ganz abrupte Revolution bevorsteht. Vielleicht reagieren die Aktionäre deshalb erfreut, aber nicht euphorisch auf die Elektropläne: GM, von Mary Barra sowieso äußerst effizient geführt, verteuerte sich am Donnerstag nach der Ankündigung zwar um einige Dollar, doch am Freitag ging es schon wieder leicht nach unten, auf 50,66 Dollar (minus 0,7 Prozent). So wie auch bei Elektropionier Tesla. Elektroantriebe gelten nur noch als notwendige Pflicht. Auf den Straßen, aber auch am Aktienmarkt.

© SZ vom 30.01.2021
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