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DIW-Chef Zimmermann:Zoff um Washington

SZ: Die Hauptkritik betrifft das DIW DC. Für drei Mitarbeiter hat Ihre Washingtoner Tochter ein 170-Quadratmeter-Büro in der Nähe des Weißen Hauses für 80.000 Dollar Jahresmiete bezogen. Nachbar: Ex-Außenminister Henry Kissinger. Wundert es Sie wirklich, dass sich Steuerzahler die Augen reiben?

Zimmermann: 80.000 Dollar sind für Washingtoner Mietpreise sehr günstig. Das Büro ist zweckmäßig und keineswegs zu groß. Es gibt drei Büros und einen Seminarraum für 14 Leute, den unser Doktorandenprogramm intensiv nutzt. Mehr nicht.

SZ: An deutschen Unis und Schulen fehlt überall Geld. Berlin ist arm und muss sparen. Sie geben es in Washington aus.

Zimmermann: Wir geben das aus, was uns das Kuratorium, in dem auch der Senat vertreten ist, bewilligt. Im Übrigen müssten Sie dann Berlin auch vorwerfen, Millionen für seine Hochschulexzellenz-Initiative auszugeben. Das DIW braucht diese globale Aufstellung. Wir wollen für Berlin ein Leuchtturm sein und internationale Wissenschaftler anziehen. Dafür brauchen wir diese Präsenz. In Washington sitzen Weltbank, Internationaler Währungsfonds und die besten Denkfabriken der Welt. Nicht vor Ort zu sein und Raum für wissenschaftlichen Austausch zu schaffen, wäre im Zeitalter globaler Ökonomie ein Fehler.

SZ: Kein anderes deutsches Wirtschaftsforschungsinstitut ist vor Ort.

Zimmermann: Wir sind hier, wie häufig, Vorreiter. Die anderen werden folgen. Das ist im Interesse des ganzen Landes.

SZ: Warum?

Zimmermann: Weil die Welt zusammenwächst. Das erfordert Forschung und Beratung in globalen Zusammenhängen. Bei Gipfeln trifft die Bundesregierung auf Präsidenten und Premiers, die von den international besten Forschern mit exzellenten Netzwerken beraten werden. Da gibt es in Deutschland großen Nachholbedarf. Das DIW hat sich - gerade auch durch Washington - einen tollen Ruf erarbeitet und kann Fachkräfte wie den Klimaexperten Karsten Neuhoff oder den Verhaltensökonomen Georg Weizsäcker ins Institut ziehen, die auch von Harvard und anderen Eliteunis umworben werden.

SZ: Sie sind sauer auf Ihre Kritiker?

Zimmermann: Die Art der Diskussion enttäuscht und deprimiert mich. Uns soll öffentlich der Stempel der Verschwendung aufgedrückt werden. Das wird uns bei der Akquirierung von Mitarbeitern Schwierigkeiten machen. Die harte Aufbauarbeit vieler Jahre ist bedroht. Die Sanierung des Instituts, seine wissenschaftliche Neuausrichtung, das Gewinnen neuer spannender Köpfe, die Internationalisierung. Alles das wird nun als Fehlverwendung von Geldern kritisiert. Aber mit einem solchen Reformkurs schafft man sich eben auch Gegner.