Die größten Unternehmen Wo der Aufschwung zu Hause ist

Den Grund dafür kann man in den Unternehmen selbst besichtigen, vor allem aber in den Werkshallen: Die meisten Konzerne wurden in den vergangenen Jahren, unter dem Druck der Globalisierung, von Grund auf umgebaut, ihre Fabriken produzieren effizienter denn je. Die Gewinne sprudeln deshalb nach der Krise zu Beginn des Jahrtausends wieder kräftig.

Wie die deutschen Unternehmen sich runderneuert haben, kann man zum Beispiel in Rutesheim besichtigen, zwanzig Kilometer von Stuttgart. Dort fertigen 485 Mitarbeiter des Autozulieferers Bosch sogenannte Lambda-Sonden. Und zwar rund um die Uhr, im 16-Schichten-Betrieb.

Alle drei Sekunden eine fertige Sonde

Diese Sonden dienen zur Abgasreinigung. Alle drei Sekunden setzen die Roboterarme der Werkzeugmaschinen eine fertige Sonde auf die Palette. Danach befestigt ein Arbeiter den aus Osteuropa angelieferten Kabelbaum an der Sonde, ehe das Ganze maschinell verschweißt wird und in die verschiedenen "KLT" wandert, die Kleinlastträger.

Die Lambda-Sonde wurde 1976 bei Bosch erfunden. Der weltweit größte Autozulieferer ist die Nummer zwölf in der SZ-Rangliste und beschäftigte im vorigen Jahr 261.291 Mitarbeiter, 10.000 mehr als 2005. Bosch ist vor allem mit Kleinteilen groß geworden, mit Dieseleinspritzpumpen, Bremssystemen oder Startern.

Das Unternehmen hat dabei die Abläufe optimiert und seinen Werken weltweit ein einheitliches Effizienzprogramm übergestülpt, das "Bosch-Produktions-System", kurz: BPS.

Schlagzahl muss ständig erhöht werden

So muss auch Werksleiter Thomas Baum in Rutesheim die Schlagzahl ständig erhöhen. Jährliche Produktivitätssteigerungen von zwei bis drei Prozent - so lautet die Vorgabe.

Davon sind auch die Lieferanten nicht ausgenommen. Eine Erfolgsziffer präsentiert der Werksleiter stolz auf einem Wanddiagramm: So fanden sich unter einer Million Sonden 2005 noch 32 schadhafte Teile, jetzt sind es gerade einmal vier. Die "Vision 2010" scheint nicht mehr fern: "Wir wollen null Fehler erreichen und zum BPS-Pilgerstandort werden", sagt Baum.

Wer den momentanen Aufschwung verstehen will, darf allerdings nicht nur in die Fabrikhallen pilgern. Denn anders als in der Vergangenheit spürt derzeit nicht nur die produzierende und exportierende Wirtschaft, dass es aufwärts geht, sondern auch der Handel.

Greifbar ist diese Entwicklung zum Beispiel im Münchner Stadtteil Pasing, in einer Filiale von dm. Die Drogeriekette hat ihren Umsatz im vorigen Jahr um satte elf Prozent erhöht und nimmt damit Platz 94 in der SZ-Rangliste ein. "Die Leute gönnen sich wieder mehr. Vor allem Kosmetik- und Wellnessartikel erfreuen sich zunehmender Beliebtheit", sagt Filialleiterin Sabine Steger.

Verbessertes Klima

Auch die Politikstudentin Anke Joeressen, die in der Drogerie jobbt, beobachtet seit Anfang dieses Jahres ein verbessertes Klima im Laden, obwohl bei weitem nicht alle Kunden finanziell den Aufschwung spüren.

"Die Zahl der Beschwerden geht zurück. Es wird mehr gelacht und geflachst"', sagt Joeressen. Der Aufschwung lässt sich in Pasing aber noch an einer anderen Erkenntnis festmachen: Bei der jüngsten Inventur fehlten nur 0,4 Prozent des Bestandes. "Daraus folgern wir", sagt Filialleiterin Steger, "dass weniger geklaut wird."