Die größten Unternehmen Wo der Aufschwung zu Hause ist

Kein deutsches Unternehmen, abgesehen von Siemens, ist so stark in Russland vertreten. Auch in den baltischen Staaten hat Knauf zuletzt stark expandiert.

Im vorigen Jahr erwarb das Familienunternehmen zudem den österreichischen Dämmstoffhersteller Heraklith für 230 Millionen Euro. Knauf gehört damit zu den hidden champions, jenen unbekannten, erfolgreichen Unternehmen, die letztlich die deutsche Wirtschaft prägen.

Schweigen über den Gewinn

Baldwin und Nikolaus Knauf reden höchst selten mit der Presse, und über den Gewinn schweigen sie sich ganz aus. Nur daheim in Iphofen zeigen die Vettern, wie erfolgreich sie tatsächlich sind: Die großen, ockergelben Knauf-Werkshallen sieht man von weitem, wenn man sich dem Ort mit der Eisenbahn nähert.

Etwas unterhalb der winzigen Bahnhaltestelle steht die Unternehmenszentrale, ein Glaspalast, der jede Großstadt zieren würde. 160 Millionen Euro hat das Unternehmen hier in den vergangenen Jahren investiert, unter anderem in ein Gipsmuseum mit Nachbildungen berühmter Werke antiker und orientalischer Künstler.

Deutschlands Kupferkönig

Nicht alle Manager und Unternehmen unter den Top 100 kommen so bescheiden daher wie die Knaufs. Werner Marnette etwa, dem ebenso selbstbewussten wie hemdsärmeligen Vorstandsvorsitzenden der Norddeutschen Affinerie, gefällt es, im öffentlichen Rampenlicht zu stehen. Mitten im Hamburger Hafen, "auf der Peute", residiert Deutschlands Kupferkönig.

Seit Mitte der 90er Jahre leitet er das Unternehmen, das von Kennern nur als Nord-Affi oder gar als Affi bezeichnet wird; im vorigen Jahr hat er es erstmals unter die 100 größten deutschen Konzerne geschafft, auf Rang 71.

Die Nord-Affi, Europas führender Kupferkonzern, hat dabei wie kein anderes deutsches Unternehmen von den kräftig gestiegenen Rohstoffpreisen profitiert und den Umsatz dadurch fast verdoppelt.

Rasanter Boom

Weil Schwellenländer wie China und Indien immer mehr Kupfer, Zink, Stahl oder Öl nachfragen, erleben die Rohstoffmärkte derzeit einen rasanten Boom, was sich auch in der Rangliste der 50 größten Unternehmen der Welt zeigt: Ganz vorne liegt der amerikanische Ölkonzern Exxon, es folgen bis Rang zehn weitere fünf Unternehmen, die ihr Geld mit den Schätzen dieser Erde verdienen.

Entsprechend selbstbewusst treten Rohstoffmanager wie Marnette auf. Mal legt der Affi-Chef sich mit den Stromkonzernen an, weil er deren Preise für überhöht hält, mal streitet er sich öffentlich mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie.

In diesen Wochen liefert sich Marnette mit dem österreichischen Industriellen Mirko Kovats einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft beim belgischen Konkurrenten Cumerio.

In jedem Auto 25 Kilo Kupfer

Der Aufstieg der Nord-Affi dürfte weitergehen. Denn Kupfer ist auch in den Industriestaaten heiß begehrt. Es leitet Strom besonders gut und ist ideal für den Einsatz in Elektrik, Elektronik und Telekommunikation. In jedem Auto werden heute etwa 25 Kilo Kupfer verarbeitet; in Luxusmodellen kann es sogar die doppelte Menge sein.

Während die Nord-Affi von den hohen Rohstoffpreisen lebt, leiden die meisten anderen Unternehmen in Deutschland genau darunter; doch sie leiden weniger als in früheren Jahren. Selbst der hohe Kurs des Euro, der in der Vergangenheit - wie schon bei der D-Mark - oft den Export bremste und damit jeden noch so leichten Aufschwung, bereitet den Betrieben heute weniger Kummer als früher.