Die größten Unternehmen Wo der Aufschwung zu Hause ist

Deutschlands Unternehmen verdienen prächtig, sind mehr wert denn je und stellen wieder ein - eine Reise durch Fabrikhallen, Filialen und Firmensitze der größten hiesigen Unternehmen.

Von Dagmar Deckstein, Jörg Rieger, Uwe Ritzer, Ulrich Schäfer und Meite Thiede

Wulf Bernotat muss weiter, immer weiter. Der Vorstandschef von Eon, Deutschlands größtem Energieversorger, hat nie Zeit. Er eilt durch den Tag. Das Management seiner eigenen Zeit gehört, wie er einräumt, zu seinen wichtigsten Aufgaben als Vorstandschef: die Minuten, Stunden, Tage.

Die Top-15-Unternehmen Deutschlands

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Hier eine Besprechung, im Managerdeutsch meeting genannt, dort eine Telefonkonferenz, sprich: conference call, dazwischen in aller Eile ein Mittagessen, vulgo: lunch. Danach ins Flugzeug, heim nach Düsseldorf. Oder nach Tschechien.

Bernotat ist ein Getriebener. So wie viele seiner Kollegen auch, die eines der großen Unternehmen dieser Republik führen.

An der Isar ebenso wie in Schweden

Eon ist die Nummer vier in der Rangliste dieser Konzerne, die die Süddeutsche Zeitung jedes Jahr ermittelt. Das Unternehmen, dessen Kraftwerke an der Isar ebenso stehen wie in Schweden, das Gas ebenso aus Sibirien verkauft wie aus Algerien, hat im vorigen Jahr 64,2 Milliarden Euro umgesetzt, zwanzig Prozent mehr als im Vorjahr, und die Telekom auf den fünften Rang verdrängt.

5,1 Milliarden Euro verdient Eon - mehr als jeder andere Industriekonzern der Republik. Hätte Bernotat wie erhofft den spanischen Stromversorger Endesa übernommen, wäre Eon längst auf dem Weg nach ganz oben - an die Spitze der deutschen Firmenrangliste, die erneut von Daimler-Chrysler, Volkswagen und Siemens angeführt wird.

Was man bei Eon beobachten kann, ist typisch für Deutschlands große Unternehmen: Sie profitieren derzeit von einem Aufschwung, wie ihn das Land seit der Wiedervereinigung nicht mehr erlebt hat.

Es werden wieder mehr Leute eingestellt

Erstmals seit Jahren stellen Konzerne und Mittelständler wieder mehr Leute ein: Die 100 größten Unternehmen des Landes (ohne Banken und Versicherungen) schufen im vorigen Jahr 98.775 neue Jobs oder kauften diese mitsamt dem dazugehörigen Unternehmen hinzu; insgesamt beschäftigen sie fast 6,58 Millionen Menschen.

Umsätze und Börsenkurse der Konzerne stiegen kräftig, die Gewinne ebenfalls, und weil die Kasse vielerorts prall gefüllt ist, gehen die Manager auf Einkaufstour. Sie wollen ihre Macht ausbauen - und verhindern, dass ein Konkurrent oder ein Finanzinvestor ihr Unternehmen übernimmt.

Dieser außergewöhnlich starke Aufschwung lässt sich in der Düsseldorfer Eon-Zentrale beobachten, an Ruhr, Neckar und Elbe. Oder auch in Iphofen, einem von Weinbergen umgebenen mittelalterlichen 4200-Einwohner-Städtchen südöstlich von Würzburg.

Beinahe Kultstatus

Von hier aus dirigieren Baldwin Knauf und sein Vetter Nikolaus seit annähernd 40 Jahren einen der erfolgreichsten deutschen Familienkonzerne. Knauf, die Nr. 77 der größten deutschen Unternehmen, stellt Gips, Gipsplatten, Dämmstoffe, Bausysteme und Mörtel her. Die Handputze der Sorten "Rotband" oder "Goldband" genießen auf Baustellen beinahe Kultstatus.

Das Unternehmen wurde 1932 von zwei Brüdern, den Vätern von Baldwin und Nikolaus, in Perl an der Mosel gegründet. Es wächst sprunghaft, und selbst die über Jahre hinweg schlechte Baukonjunktur konnte den Höhenflug von Knauf nicht bremsen.

Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die weltweit 20.000 Beschäftigten an mehr als 200 Standorten einen Umsatz von fünf Milliarden Euro, vier Fünftel davon im Ausland, insbesondere in Osteuropa.