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Deutsche Telekom:US-Fusion soll sich noch mehr lohnen

USA, NEW YORK CITY, 07.05.2011, Filialen von Sprint und T-Mobile in New York City

Filialen von Sprint und T-Mobile in New York: Seit ihrem Zusammenschluss im vorigen Jahr können die Mobilfunker viele doppelte Ausgaben sparen.

(Foto: imago)

Die Tochter T-Mobile erhöht Prognosen. Auch in Berlin will die Telekom kräftig investieren.

Von Benedikt Müller-Arnold, Köln

Wenn Tim Höttges über Amerika spricht, neigt der Telekom-Chef nicht gerade zu Untertreibungen. 2020 schloss sich die Konzerntochter T-Mobile US nach zähen Verhandlungen mit dem Konkurrenten Sprint zusammen. "Wir haben damit Historisches erreicht", jubelte Höttges jüngst: "die größte Fusion eines deutschen Unternehmens in den USA". Die Telekom spiele seither in einer anderen Liga, so der 58-Jährige. "Wir sind jetzt richtig in der Champions League angekommen."

Bereits in vergangenen Jahren gewann die US-Tochter stetig Kunden hinzu. Und der Aufschwung soll weitergehen: So erwarten T-Mobile und Sprint, dass sie insgesamt umgerechnet mehr als 58 Milliarden Euro mehr Gewinn erwirtschaften werden, als wenn beide Anbieter eigenständig geblieben wären. Das hat der Konzern nun mitgeteilt. Bislang hatte er Synergien im Wert von 36 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Die neue T-Mobile spare etwa doppelte Ausgaben für Standorte, Werbung oder Technologien ein. Die Firma hat nun auch ihre Gewinnprognosen für die nächsten Jahre angehoben. T-Mobile zählt - neben AT&T und Verizon - zu den größten Mobilfunkanbietern in den USA.

Für die Deutsche Telekom und ihre vielen Aktionäre klingt das gut. Der Konzern erwirtschaftete zuletzt fast 60 Prozent seiner Betriebsgewinne in den USA. Zwar hält die Telekom seit dem Zusammenschluss mit Sprint nur noch knapp 44 Prozent an T-Mobile. Sie hat sich aber - zumindest für die nächsten Jahre - die Mehrheit der Stimmrechte gesichert. Zudem verfügt der Konzern über Kaufoptionen, um auch die Mehrheit der Aktien zu erlangen.

Das Wachstum in Amerika solle freilich keine Investitionen in Europa bremsen, betont Höttges gern. So will die Telekom in Deutschland vor allem mehr Glasfaseranschlüsse bis in die Häuser legen. Bislang hatte der Konzern die schnellen Festnetzleitungen vorrangig bis zu den grauen Verteilerkästen in den Straßen gebracht; diese Vectoring-Technologie ermöglicht immerhin Download-Geschwindigkeiten von bis zu 250 Megabit pro Sekunde.

Doch nun will die Telekom beispielsweise in Berlin 600 000 direkte Glasfaseranschlüsse bis Ende 2025 schaffen. Das hat der Konzern am Freitag angekündigt. 400 000 weitere in der Hauptstadt sollen folgen. Dies sei das bislang größte Glasfaserprojekt der Telekom hierzulande. "Unsere Pläne für weitere Metropolen werden in Kürze folgen", kündigt Deutschlandchef Srini Gopalan an. Die Leitungen sollen Kunden Download-Raten von bis zu 1000 Megabit pro Sekunde ermöglichen.

An der Börse hat der Konzern am Freitag zeitweise gut ein Prozent an Wert gewonnen. Die T-Aktie notierte in dieser Woche so hoch wie zuletzt vor gut einem Jahr, vor Ausbruch der Corona-Krise.

© SZ vom 13.03.2021
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