bedeckt München 11°

Deutsche Post:Montags frei

Corona hat den Trend noch mal verschärft: Die Post muss immer weniger Briefe ausliefern - und stellt nun die Briefzustellung an Privatleute an Montagen infrage.

Von Benedikt Müller-Arnold, Köln

Die Deutsche Post stimmt Kunden darauf ein, dass sie künftig möglicherweise nicht mehr an sechs Tagen je Woche Briefe zustellen wird. "Für uns stellt sich die Frage, ob wir in Deutschland am Montag eine flächendeckende Briefzustellung brauchen", sagte Tobias Meyer, Brief- und Paketchef der Post hierzulande, der Welt. Dass sein Konzern montags Firmenpost zustelle, sei sicher sinnvoll, so Meyer. Aber bei Briefen an Privatleuten sei das fraglich.

Bislang verlangt der Staat, dass die Post an allen sechs Werktagen Briefe zustellen muss. Er gibt zudem vor, dass im Jahresschnitt mindestens 80 Prozent der Inlandsbriefe am nächsten Werktag ankommen müssen, sowie 95 Prozent höchstens zwei Werktage nach Einwurf. Im Gegenzug fällt auf Briefe keine Mehrwertsteuer an. Das Bundeswirtschaftsministerium hat zwar eine Reform des Postrechts angekündigt. Vorerst genießt freilich die Bewältigung der Corona-Krise Priorität in Berlin.

Hintergrund der Pläne: Die Post transportiert von Jahr zu Jahr weniger Briefe, weil mehr und mehr Kommunikation ins Internet abwandert. In der ersten Hälfte dieses Jahres sei die Zahl der Briefe um elf Prozent eingebrochen, sagt Meyer, so stark wie nie zuvor. Denn viele Unternehmen haben während der Corona-Krise weniger Werbung verschickt. Auf der anderen Seite werde die Zahl der Pakete in diesem Jahr zwischen zehn und 20 Prozent steigen, so Meyer, vor allem wegen des Booms im Onlinehandel. Die Post suche derzeit gut 10 000 zusätzliche Zusteller für die Hochsaison vor Weihnachten.

Die Fachgewerkschaft DPVKOM fordert indes, dass die Post Briefe weiterhin an allen Werktagen zustellen sollte. "Hier darf es keine Einschränkungen geben", sagt Gewerkschaftschefin Christina Dahlhaus. Fiele die Montagszustellung an Privatleute weg, würde sich der Service für Kunden verschlechtern - und es wären mehrere Tausend Arbeitsplätze bei der Post gefährdet, in Zustellung und Briefzentren. "Wir brauchen bei der Deutschen Post eher mehr als weniger Personal", so Dahlhaus.

Die hierzulande etwa 140 000 Tarifbeschäftigten kämpfen derzeit für höhere Löhne, zuletzt auch mit lokalen Warnstreiks. Die Post will nächste Woche ein Tarifangebot vorlegen.

© SZ vom 15.09.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite