bedeckt München

Deutsche Post:Briefe und Pakete kommen später an

Verdi-Warnstreiks bei der Post in Niedersachsen und Bremen

Protest in Hannover: Eine Beschäftigte der Deutschen Post steht mit Verdi-Fahne vor der Post-DHL-Niederlassung im Stadtteil Anderten.

(Foto: Moritz Frankenberg/dpa)

Nach Warnstreikaufrufen der Gewerkschaft Verdi meldet die Post Verzögerungen.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Wer dieser Tage ein Paket oder wichtige Briefe erwartet, muss sich mancherorts gedulden: Die Gewerkschaft Verdi hat zu Warnstreiks bei der Deutschen Post aufgerufen. "Betroffen sind vor allem die Sortierung von Briefen und Paketen, aber auch die Zustellung", heißt es von dem Konzern. Bis Donnerstagmittag hätten bundesweit etwa 2100 Beschäftigte die Arbeit zeitweise niedergelegt, unter anderem in Teilen von Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen.

1,3 Millionen Briefe sowie 130 000 Pakete würden später ankommen, teilt die Post mit. Das entspricht je gut zwei Prozent der Mengen, die der Konzern pro Tag zustellt.

Hintergrund sind laufende Tarifverhandlungen für etwa 140 000 Beschäftigte der Post in Deutschland. Für sie fordert Verdi 5,5 Prozent höhere Löhne. Die Post habe bislang "kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt", moniert die Gewerkschaft. Man habe den Eindruck, dass die Post zuletzt 1,5 Prozent mehr Geld bieten wollte.

"Das ist eine Provokation", kritisierte Verdi-Vize Andrea Kocsis. Die Post sollte die Beschäftigten für ihre Arbeit auch während der Corona-Pandemie mit einer nachhaltigen Lohnerhöhung wertschätzen. "Die Post gehört zu den Gewinnern der Corona-Krise", sagte Kocsis. Wer in einer Krise profitiere, könne sich "ordentliche Lohnerhöhungen" leisten.

Der gesamte Logistikkonzern hat in der ersten Hälfte dieses Jahres knapp zwei Prozent höhere Umsätze erwirtschaftet als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern ging zwar um gut ein Fünftel zurück, nicht zuletzt aufgrund von Abschreibungen bei der Tochterfirma Streetscooter. In der Stammsparte mit Briefen und Paketen hat die Post hingegen mehr Geld verdient - vor allem dank vieler Bestellungen im Onlinehandel während der Corona-Krise. Der Aktienkurs liegt mit etwa 39 Euro deutlich höher als unmittelbar vor Beginn der Corona-Krise, war am Donnerstag fast unverändert.

Verdi hatte bereits am Mittwoch zu ersten Warnstreiks aufgerufen; die Post bezeichnete die entstandenen Verzögerungen als "überschaubar". Besondere Sorgen machen die Ausstände in Nordrhein-Westfalen: Dort stehen an diesem Sonntag Kommunalwahlen an, noch sind einige Briefwahlunterlagen auf dem Weg. Die Post will versuchen, "jegliche Beeinträchtigungen durch die Streiks zu verhindern".

Ihre nächste Verhandlungsrunde planen Gewerkschafter und Arbeitgeber für den 21. und 22. September. Dann will die Post nach eigenen Angaben ein konkretes Angebot vorlegen. Man wolle Löhne nachhaltig erhöhen und den Beschäftigten eine langfristige Perspektive geben, sagte Personalvorstand Thomas Ogilvie, die Lösung müsse aber auch "wirtschaftlich tragfähig" sein.

© SZ vom 11.09.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite