Deutsche Bank Schluss mit der Verschwendung

Deutsche Bank in Frankfurt: Im Oktober sollen weitere Umbaudetails bekannt gegeben werden.

(Foto: Daniel Roland/afp)

Vier Wochen ist der neue Chef der Deutschen Bank im Amt, jetzt präsentiert John Cryan erstmals die Quartalszahlen des Konzerns.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

"Verschwenderisch hohe Kosten", "unklare Entscheidungswege", "weitere Rechtsrisiken" - was klingt wie das harte Urteil eines unzufriedenen Aktionärs der Deutschen Bank, sind in Wirklichkeit die Worte ihres neuen Co-Chefs John Cryan. Am Donnerstag präsentierte der gebürtige Brite erstmals seit seinem Amtsantritt Anfang Juli die Quartalszahlen des größten deutschen Kreditinstituts, und er nahm dabei kein Blatt vor den Mund. "Damit unsere Strategie Erfolg hat, müssen wir effizienter werden. Wir müssen alle Länder, Geschäftsfelder, Produkte und Geschäftsbeziehungen, die ökonomisch nicht vertretbar sind, kritisch betrachten", wurde Cryan in einer Mitteilung zitiert.

Auch in einem Brief an die 100 000 Mitarbeiter und am Nachmittag in einer Telefonkonferenz mit Analysten wählte er deutliche Worte, sprach von einem "verschwenderischen Umgang mit unseren hart verdienten Erträgen" und dass der Umbau Jahre dauern werde. Dass er auch das "Potenzial" der Bank lobte, ging dabei fast unter.

Zum zweiten Mal setzte sich Cryan damit deutlich von der Ära seines Vorgängers Anshu Jain ab, der Anfang Juni nach hohen Strafzahlungen für Zins-Manipulationen sowie Kritik von Aufsicht und Aktionären zurückgetreten war. Bereits zu seinem Amtsantritt hatte Cryan in einem Brief sehr direkt auf die Schwächen der Bank hingewiesen und angedeutet, wo er den größten Handlungsbedarf sieht. Umsetzen wird er das zunächst zusammen mit Co-Chef Jürgen Fitschen, von kommendem Mai an dann als alleiniger Konzernchef.

Am Aktienmarkt kamen die Worte des Co-Chefs gut an, die Papiere legten deutlich zu

Am Aktienmarkt kam die Botschaft am Donnerstag gut an - die Papiere stiegen bis Abends um rund 5,3 Prozent, was aber nur am Rande mit den soliden Quartalszahlen zu tun hatte, die der Verantwortung seiner Vorgänger zugerechnet wurden. "Die Zahlen sind nicht das Besondere, sondern die deutlichen Worte des neuen Co-Chefs, er hat dem Markt klargemacht, dass er die Probleme der Bank angehen will", sagte Ingo Fromm, Bankenanalyst der Landesbank Baden-Württemberg. Dabei habe er die richtigen Worte gefunden, auch die Mitarbeiter und das Potenzial der Bank gelobt. "Bei den jetzt anstehenden Verhandlungen mit den Personalvertretern wird er wahrscheinlich den richtigen Ton treffen", sagte Fromm. Erwartet wird, dass der Konzern in den kommenden Jahren bis zu 10 000 Stellen kappt.

Nicht nur bei den Aktionären sind die Hoffnungen groß, dass der neue Chef das Institut wieder zum Erfolg führt und die Zeit der Skandale aus dem Investmentbanking hinter sich lässt, auch viele Mitarbeiter setzen auf einen Neuanfang durch den Briten. In den vergangenen Jahren konnten sie zusehen, wie sich der Ruf der Bank fast täglich verschlechterte.

Belastungen für Rechtsstreitigkeiten prägten auch das zweite Quartal, und nur dank deutlich gestiegener Erträge kletterte der Vorsteuergewinn um 34 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das lag vor allem an dem regen Handel an den Finanzmärkten und den für die Bilanz günstigen Wechselkursen. Dass sich der Überschuss sogar mehr als verdreifachte (auf 818 Millionen Euro) lag zudem daran, dass der Vorjahresgewinn durch eine ungewöhnlich hohe Steuerlast gedrückt worden war. Laut Cryan waren die Zahlen jedenfalls kein Grund zum Jubeln, denn damit sei die Bank "nicht annähernd da, wo sie sein sollte", schrieb er in dem Mitarbeiterbrief.

Für das zweite Halbjahr sind bereits wichtige Veränderungen geplant

Die Kosten stiegen im zweiten Jahresviertel vor allem wegen der neuen Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten um 17 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro, was gemessen am Ertrag deutlich mehr ist als bei anderen internationalen Großbanken. Auch die Eigenkapitalrendite - ein zentraler Wert für die Anteilseigner - lag mit 5,7 Prozent nach wie vor sichtbar unter den angestrebten mindestens zehn Prozent.

Gegensteuern will Cryan nun mit einem Plan namens "Strategie 2020", auf den sich bereits Jain und Fitschen verständigt hatten. Cryan hatte diese Strategie mit genehmigt, weil er zuvor schon im Aufsichtsrat saß. Demnach soll die Postbank verkauft, Filialen geschlossen und Stellen abgebaut werden. Außerdem soll das Investmentbanking verkleinert werden. Die Details dazu will Cryan zwar erst Ende Oktober liefern, er machte jedoch erneut deutlich, dass er zu dieser Strategie stehe. Auch eine Kapitalerhöhung schloss er weiterhin aus. "Das Quartalsergebnis zeigt, wie unerlässlich für uns die Umsetzung der Strategie 2020 ist." Im zweiten Halbjahr werde es daher eine Reihe wichtiger Veränderungen geben. Die aber seien nötig: "Veränderungen können belastend sein, aber den Status quo beizubehalten, ist keine Option."