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Nach Corona:Gute Fahrt

Premierenfahrt des Fernzugs Flixtrain

Konkurrenten auf der Schiene.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Eine Frage, eine Antwort: Schaden die Corona-Hilfen für die Deutsche Bahn dem Wettbewerb?

Von Caspar Busse

Einige Monate fuhren die Züge der Deutschen Bahn ziemlich leer durch Deutschland. Während des Lockdowns von Mitte März an war kaum jemand unterwegs, manche ICEs glichen Geisterzügen. Da half es auch nichts, dass wegen der geringen Nachfrage die Pünktlichkeit der Bahn nach oben ging. Inzwischen hat sich das Geschäft deutlich belebt, manche Züge sind wieder fast so voll wie in Vor-Corona-Zeiten. Eine Beschränkung bei der Belegung, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren, hat die Deutsche Bahn nicht vorgenommen, anders als etwa in Italien, wo Plätze in den Zügen frei bleiben müssen.

Und trotzdem ist Corona für die Deutsche Bahn ein ziemliches Minusgeschäft, die Verluste sind deutlich gestiegen. Der Bund greift dem Staatsunternehmen deshalb mit Hilfen unter die Arme, deutlich mehr als fünf Milliarden Euro sollen fließen. Aber schadet diese Unterstützung langfristig dem Wettbewerb? Werden die Konkurrenten benachteiligt?

Corona-Fragen

Die Monopolkommission, die die Bundesregierung in Wettbewerbsfragen berät, weist auf die Gefahr hin. Man werde sich den Fall genau anschauen. Der Mannheimer Wirtschaftswissenschaftler Achim Wambach, der den Vorsitz der Monopolkommission gerade abgegeben hat, aber weiter Mitglied ist, forderte, dass die Unterstützung genau geprüft werden müsse. Die Milliardenhilfen für Lufthansa gingen auch zur EU-Kommission in Brüssel, die dann kleinere Auflagen machte, die Fluggesellschaft muss einige Start- und Landerechte abgeben.

Benachteiligt sehen sich unter anderem Busunternehmen wie Flixbus, die in Konkurrenz zur Bahn stehen. Sie erhalten keine Hilfen in ähnlicher Größenordnung. Schon länger kritisieren sie, dass die Mehrwertsteuersätze für Bahntickets reduziert wurden, nicht aber für Bustickets. So sind für die Bahn nicht mehr 19 Prozent, sondern nur noch sieben Prozent Mehrwertsteuer fällig, die Sätze wurden wegen Corona dann nochmals vorübergehend gesenkt, für alle.

Die Fernbusanbieter ärgern sich zudem darüber, dass die Bahn nun auch noch in die Offensive geht und um die typische Bus-Klientel buhlt, nämlich Jüngere. Reisende im Alter von bis zu 26 Jahren können jetzt vergünstigte Bahntickets erwerben, im Fernverkehr, ohne lange Vorausbuchungsfrist und auf ausgewählten Strecken schon ab knapp 13 Euro. Der Fernbusmarkt wurde 2013 freigegeben. Seitdem stiegen viele Jüngere auf die billigeren Busse um, der Markt wird beherrscht von Flixbus, die Firma war selbst vom Corona-Lockdown schwer getroffen.

© SZ/etd
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