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Debatte um Großmann-Nachfolge:RWE versinkt im Machtkampf

RWE bekommt einen neuen Chef, oder doch nicht? Investoren fühlen sich düpiert und könnten die Kür von Großmanns Nachfolger Peter Terium torpedieren. Der Neustart bei Deutschlands zweitgrößtem Energiekonzern droht zum erbitterten Machtkampf zu werden.

Schon seit Studienzeiten nennen Freunde Jürgen Großmann "Dino". Seiner Körpergröße von 2,05 Meter wegen und auch wegen seiner Sturheit. Offiziell trägt er den Titel "Dinosaurier des Jahres", seit der Naturschutzbund dem RWE-Chef die wenig schmeichelhafte Auszeichnung Anfang April für seinen zähen Kampf um die Atomkraft verlieh. "Die Dinosaurier haben die Welt 165 Millionen Jahre regiert", ätzte Großmann bei der Verleihung in Berlin.

Mister Atomenergie

Die Zeichen stehen auf Abschied: RWE-Chef Jürgen Großmann.

(Foto: dapd)

Dass sich Fossile nicht so einfach ablösen lassen, spürt nun auch Aufsichtsratschef Manfred Schneider. Am Mittwoch Abend war bekannt geworden, dass die Graue Eminenz des Konzerns völlig überraschend den 47-jährigen Niederländer Peter Terium zum Nachfolgekandidaten von Vorstandschef Jürgen Großmann küren will.

Schneiders Ziel: mit dem Chef der RWE-Tochter Essent einen Generationswechsel bei RWE einleiten. Terium soll dem Konzern, der durch den beschleunigten Atomausstieg und die hohe Schuldenlast unter Druck steht, eine neue Strategie und ein grüneres Image verpassen. Bereits am Montag soll der Aufsichtsrat die Personalie beschließen.

Doch der Neustart bei Deutschlands zweitgrößtem Energiekonzern droht zum erbitterten Machtkampf zu werden. Denn der Vorschlag trifft im Konzern auf heftigen Widerstand. Nicht nur das eigene Management muss sich düpiert vorkommen - mit Rolf-Martin Schmitz und Leonhard Birnbaum galten zwei Topmanager als aussichtsreichste Kandidaten.

Auch einflussreiche Investoren fühlen sich übergangen und könnten die Personalie nach Informationen der Süddeutschen Zeitung platzen lassen. Mehrere kommunale Investoren gingen am Donnerstag auf Distanz zu Terium. Städte und Kreise im Westen Deutschlands, darunter Dortmund, Essen und Mülheim, kontrollieren insgesamt 25 Prozent am Konzern, stellen vier Aufsichtsräte und haben großen Einfluss auf die Konzernstrategie.

Die Kommunen spielen eine entscheidende Rolle

Allein ein harter Kern um die Stadt Dortmund hält 16 Prozent über eine Beteiligungsgesellschaft. Dass die größte Investorengruppe von der Nominierung des Kronprinzen aus den Medien erfahren habe, sei ein "Riesenfehler" der Aufsichtsratsspitze, erfuhr die SZ aus dem Kreis der kommunalen RWE-Aktionäre. Die Berufung Teriums sei noch keine ausgemachte Sache. Er gelte als Vertrauter Großmanns und von Ex-Chef Harry Roels. Mehrere Kommunen favorisierten nach wie vor den für das operative Geschäft zuständigen Vorstand Rolf-Martin Schmitz.

Sperren sich die Kommunen, droht Schneider eine empfindliche Niederlage. Denn ohne ihre Zustimmung ist die Kür des Neuen nicht durchzusetzen. Fieberhaft werde hinter den Kulissen nach Kompromissen gefahndet, verlautete aus Konzernkreisen.

Denkbar sei, dass Terium Chef und Schmitz sein Vize werde, hieß es weiter. Das allerdings könnte den früheren Ausstieg von Noch-Chef Großmann bedeuten. "Wenn man sich darauf einigt, muss Großmann wohl schon früher das Feld räumen", heißt es aus dem Konzern. Dessen Vertrag läuft aber noch bis Ende 2012. Und Großmann selbst hatte im Interview mit der Süddeutschen Zeitung kürzlich erklärt, er wolle den Vertrag erfüllen.

Aktionärsschützer forderten am Donnerstag dennoch bereits eine raschere Entscheidung über den Chefposten. "Wenn alles im Wandel ist, darf in Personalfragen nicht Unsicherheit herrschen", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler. Angesichts gravierender Folgen für die Energiebranche durch den beschleunigten Atomausstieg sei vorstellbar, dass "der künftige starke Mann früher ans Ruder kommt, um auch mit voller Macht durchregieren zu können".

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