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Debatte:Rente mit 63 abschaffen

Eine Gruppe Jüngerer fordert eine andere Rentenpolitik. Die Bundesregierung ignoriere die Interessen künftiger Generationen, klagen sie. Das Gremium macht allerlei Vorschläge, was anders laufen könnte.

Länger arbeiten, mehr Aktien für die Vorsorge und ein digitales Rentenkonto: Das sind einige der Vorschläge, mit denen einige jüngere Deutsche die Politik ändern wollen. Die Gruppe nennt sich "Junge Rentenkommission". Sie gründete sich als Reaktion darauf, dass die Bundesregierung 2018 für die geplante Rentenreform eine Kommission mit einem Durchschnittsalter 56 einberief. Die Forscher und Unternehmer der jüngeren Gruppe sind zwischen 26 und 47 - und fordern eine markant andere Politik, damit das Rentensystem "nicht von der demografischen Entwicklung erdrückt werde", so die Vorsitzende Sarna Röser. Die Bundesregierung verteile die demografischen Lasten nicht fair zwischen Alt und Jung. Deshalb sollten die Interessen künftiger Generationen im Grundgesetz verankert werden.

Damit die gesetzliche Rentenkasse finanziell nicht zu stark belastet wird, sollen die Deutschen zudem im Schnitt länger arbeiten. Die junge Kommission will die Frührente mit 63 Jahren abschaffen; wer viele Berufsjahre hat, kann seit einigen Jahren ohne Abzüge frühzeitig in den Ruhestand gehen. Perspektivisch solle das Rentenalter auf über 67 Jahre erhöht werden. Dabei soll die steigende Lebenserwartung zu zwei Drittel in längeres Arbeiten und zu einem Drittel in längeren Ruhestand umgewandelt werden. Außerdem wollen die Jüngeren die Fixierung auf den Begriff des Rentenniveaus abschaffen, die den demografischen Wandel einseitig auf arbeitende Bevölkerung sowie Steuerzahler ablade und die Seniorengeneration aus der Verantwortung entlasse.

Weil die Rentner mehr und die Beitragszahler weniger würden, stoße das Umlageverfahren der gesetzlichen Rente an seine Grenzen. Um die Alterssicherung wahrhaft auf mehrere Säulen zu stellen, möchte das Gremium eine Pflichtvorsorge einführen: Alle Bürger sollen in einen weltweit gestreuten Wertpapierfonds investieren. Die Regeln für Aktien- und Immobilienanlage müssten lockerer werden. Wer nicht viel für sein Alter sparen könne, dem soll der Staat helfen.

Um vor Armut zu schützen, bräuchten die Bürger ausreichende Informationen und gute Beratung. Damit die Bevölkerung ein Gespür für die Altersvorsorge entwickeln kann, soll es ein elektronisches Rentenkonto geben, in dem gesetzliche Altersbezüge, Betriebsrenten und private Vorsorge abzulesen sind. "In Dänemark ist so ein System seit Jahren etabliert", so Kommissionsmitglied Thomas Köster.

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