Coca-Cola Nur noch 31 Würfel Zucker

Coca-Cola: Die Rezeptur ist geheim, Zucker ist aber drin.

(Foto: Daniel Acker/Bloomberg)

Der Getränkehersteller fügt sich der Forderung der EU nach gesünderen Lebensmitteln, Verbraucherschützer kritisieren den Konzern trotzdem.

Von Max Hägler

Es ist ein Mythos, der wohl mit zum Erfolg dieses Brauseherstellers beiträgt: Nur ganz wenige kennen die Rezeptur von Coca-Cola. Wie viel wovon sie hineinmengen, das ist unklar. Nur bei einer Ingredienz ist das anders. 10,6 Gramm Zucker finden sich in 100 Milliliter Cola. Auf einen Liter umgerechnet: etwa 35 Stück Würfelzucker. Zu viel, befinden besorgte Wissenschaftler, ungefähr seitdem die erste Flasche getrunken wurde Ende des 19. Jahrhunderts. Denn zu viel Zucker macht dick, das befördert wiederum Erkrankungen wie Diabetes. Mediziner, etwa vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, fordern deshalb gar eine Zuckersteuer.

Nun hat Coca-Cola-Vorstandschef James Quincey bekräftigt, dass sein Konzern den Zuckeranteil in den Getränken um zehn Prozent reduziert. "Zucker ist eine Herausforderung für viele Gesellschaften", sagte er der Welt am Sonntag. Überall konsumierten Menschen "übermäßig" Zucker: "Hier müssen auch wir handeln." Man unterstütze die Weltgesundheitsorganisation WHO in ihrem Ziel, dass Menschen nicht mehr als zehn Prozent ihrer Kalorien durch zugesetzten Zucker zu sich nehmen. Das entspricht übrigens: einem Viertelliter Cola.

Quinceys Eingeständnis fügt sich in die Linie der Branche. Im Februar willigte der Lobbyverband der Softdrink-Hersteller Unesda nach harter Diskussion mit der EU-Kommission ein, bis zum Jahr 2020 auf zehn Prozent Zucker zu verzichten. Weiteres Zugeständnis: kleinere Flaschengrößen, auf dass die Menschen ein bisschen bewusster trinken. Das Problem beim Konsum: Softdrinks enthalten viele Kalorien, aber sättigen kaum. Deshalb kann man sie ohne Problem den ganzen Tag trinken, ohne der Limos überdrüssig zu werden, mit denen die Lebensmittelkonzerne viel Geld verdienen.

Im Durchschnitt gibt jeder jährlich 158 Euro für alkoholfreie Erfrischungsgetränke aus, das entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 311 Litern. Insgesamt summierten sich die Ausgaben der Bundesbürger für Wasser, Softdrinks, Limonaden oder Eistee nach einer Erhebung des Marktforschungsunternehmens Nielsen im Jahr 2016 auf mehr als 12,7 Milliarden Euro, das waren 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Und in quasi allen Bereichen mischt mittlerweile auch der Coca-Cola-Konzern mit: Die Wassermarken Bonaqa, Vio und Apollinaris gehören zu dem US-Unternehmen. Aber auch die Eisteefirma Nestea, der Apfelschorle-Hersteller Lift und Smoothies genannte Säfte namens Fruitopia.

Dass nun zehn Prozent Zucker eingespart werden, erfordere eine "große Anstrengung", heißt es bei Coca-Cola: Die Rezeptur müsse verändert werden. Wobei das so schwierig nicht sein sollte. Auch bei vier Stück Zucker weniger dürfte die Cola noch recht süß sein. Denn es bleiben ja noch 31. "Damit legt das Unternehmen heute den Grundstein für die Diabetesfälle von morgen", kritisiert Martin Rücker, Geschäftsführer des Verbraucherschutzverbandes Foodwatch.

Wenn es Coca-Cola wirklich ernst meine mit der Reduzierung von Zucker, dann solle der Konzern als Erstes alle an Kinder gerichteten Werbe- und Sponsoringmaßnahmen stoppen. Null Würfelchen statt 31, das wäre sein Wunsch.