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Bremse für die Wirtschaft:Schattenseiten des deutschen Erfolgs

Sonne über dem Brandenburger Tor

Die Quadriga über dem Brandenburger Tor in Berlin.

(Foto: dpa)

Deutschland hat sich vom kranken Mann Europas zur wirtschaftlichen Lokomotive hochgearbeitet. Das Ausland staunt und sucht nach dem Rezept des deutschen Erfolges. Doch der steht auf einem wackeligen Fundament.

Während ganz Europa zum Urlaub an die Küsten aufbricht, bereitet sich die deutsche Politik auf die Bundestagswahl im September vor. Der Wahlkampf dafür erweist sich bisher als eher leblose Veranstaltung: Der Wirtschaft geht es gut, der Lebensstandard der Deutschen steigt und Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in Meinungsumfragen einen satten Vorsprung.

Gleichzeitig begrenzt Merkels Eigenart, sich populäre Themen wie die Einführung eines Mindestlohns zu Eigen zu machen, den politischen Spielraum anderer Parteien. Zwar besteht rechnerisch die Möglichkeit, dass SPD und Grüne zusammen genug Sitze gewinnen, um ein Koalition zu bilden; aber selbst hochrangige Oppositionspolitiker geben im Vertrauen zu, dass sie eine weitere Amtszeit Merkels erwarten - womöglich auch in der gleichen Konstellation mit der FDP.

Die Nachbarstaaten können nur mit Neid nach Deutschland schauen und darüber staunen, wie sich das Land in weniger als einem Jahrzehnt vom "kranken Mann Europas" zur wirtschaftlichen Lokomotive des Kontinents gewandelt hat.

Berlin gilt als "hip", Deutschland als Vorbild

Ausländische Regierungen sind in den vergangenen Jahren in Scharen nach Berlin geströmt, um das Geheimnis des deutschen Erfolges zu erfahren. Die Zahl der Deutschland-Besuche britischer Minister und Beamter habe sich seit 2010 vervierfacht, berichten Insider aus dem Außenministerium.

Selbst Londons Bürgermeister Boris Johnson, der auch deswegen Karriere machte, weil er am rechten Rand seiner Partei fischte, zeige sich jüngst überrascht, dass die Deutschen angesichts ihrer Erfolge nicht "ihre Hacken zusammenschlagen oder ihre Arme zum Faschisten-Gruß heben". Stattdessen bezeichnete er Berlin als "hip" und ermutigte die Briten, sich Deutschland zum Vorbild zu nehmen.

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