bedeckt München

Börsenmanipulation:FBI soll Blitzhandel kontrollieren

In Sekundenbruchteilen können Händler Millionen bewegen und so die Kurse ins Rutschen bringen. Der Hochfrequenzhandel hat die Börsen verändert. Die US-Börsenaufsicht erhält deshalb nun Hilfe von FBI-Agenten. Die sind eigentlich für schwere Verbrechen zuständig.

Das Geschehen auf dem Börsenparkett zu überwachen, ist in Amerika eigentlich Aufgabe der United States Securities and Exchange Commission, kurz: SEC. Weil die Herausforderungen für die Kontrolleure durch den hochtechnisierten Handel aber immer größer werden, erhalten die Ermittler nun Unterstützung. FBI-Agenten sollen der SEC helfen, die komplizierten Algorithmen zu überwachen, mit denen Computer in Sekundenbruchteilen Millionen bewegen, berichtet die Financial Times.

In den USA gehen mittlerweile etwa 70 Prozent der Börsenumsätze auf den Hochfrequenzhandel zurück. Nach spektakulären Pannen wuchs das Misstrauen bei Kontrolleuren und Gesetzgebern. So hatte der Dow-Jones-Index beim sogenannten "Flash Crash" im Mai 2010 binnen Minuten 1000 Punkte verloren. Die Ursache war ein fehlerhafter Handelsauftrag, dessen Effekte die Computer verstärkten.

"Unsere Quantitative Analytics Unit besteht aus spezialisierten Ermittlern, mit ausgeprägten Kenntnissen in den Bereichen Mathematik, Physik und Computerwissenschaft", sagte SEC-Sprecher Kevin Callahan der Nachrichtenagentur Reuters. Diese hätten sich in den vergangenen Monaten mit Vertretern des FBI getroffen.

Die Abteilung, für die nun SEC und FBI zusammenarbeiten, beschäftigt sich mit möglichen Manipulationen durch Händler. Diese haben eigene Strategien entwickelt, um den Computerhandel zu ihren Gunsten zu nutzen. So können sie beispielsweise binnen Millisekunden Millionen von Käufen und Verkäufern veranlassen und diese im nächsten Moment wieder zurückziehen, um das Verhalten der anderen Marktteilnehmer zum eigenen Vorteil zu beeinflussen.

Auch die US-Bundesstaaten machen Druck. Sie forderten nun den Kongress zu einer Untersuchung des Turbo-Computerhandels auf. Sie sind besorgt, dass Privatanleger benachteiligt werden, weil diese keinen Zugriff auf derartige Technologien haben. "Hochfrequenzhandel untergräbt eindeutig das Vertrauen der Privatanleger", erklärte der Verband der bundesstaatlichen Aufsichtsbehörden NASAA.

Der Deutsche Bundestag hatte Ende Februar eigene Leitlinien für den Hochfrequenzhandel beschlossen. Das Gesetz sieht vor, dass sich Hochfrequenzhändler und ihre Auftraggeber künftig registrieren lassen müssen. Die Kontrolle liegt bei der Finanzaufsicht Bafin. In Notfällen, etwa wie im Fall des "Flash Crash" in den USA, kann der Handel gestoppt werden.

© Süddeutsche.de/Reuters/bero/jab

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite