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Boeing und Airbus:Krieg um das Tankflugzeug

Boeing und Airbus wetteifern um einen lukrativen Auftrag für Tankflugzeuge. Jetzt legen die Amerikaner nach - und bieten ein größeres Modell an.

J. Flottau

Boeing erwägt Vorstandschef Jim McNerney zufolge einen grundlegenden Strategiewechsel, um doch noch den Zuschlag der amerikanischen Luftwaffe für neue Tankflugzeuge zu bekommen. McNerney bestätigte am Rande der Luftfahrtmesse von Le Bourget, dass der Luftfahrtkonzern womöglich anstatt einem Flugzeug auf der Basis der vergleichsweise kleinen 767 die viel größere 777 anbieten wird.

Boeing, Reuters

Ein Modell der Boeing

777

: Um einen prestigereichen Auftrag der amerikanischen Luftwaffe für neue Tankflugzeuge zu bekommen, erwägt das Unternehmen, ein größeres Flugzeug im Stil der 777 anzubieten.

(Foto: Foto: Reuters)

Das amerikanische Verteidigungsministerium will bis zum Frühjahr 2010 entscheiden, welcher Hersteller knapp 180 Tanker bauen darf. Der Auftrag ist mit einem Volumen von etwa 100 Milliarden Dollar der zweitgrößte in der Geschichte der US-Streitkräfte. Zuletzt hatte ein Konsortium um Northrop Grumman und Airbus den Zuschlag erhalten. Nach einem Protest Boeings war die Entscheidung aber annulliert worden.

Bietet Boeing wirklich die 777 als Basis an, würden die Karten in dem strategisch äußerst wichtigen Geschäft wieder völlig neu gemischt werden. Airbus ist mit einem Langstreckenflugzeug vom Typ A330 im Rennen, das wesentlich größer als die 767, aber deutlich kleiner als die 777 ist. Bei der 2008 annullierten Entscheidung hatten die Streitkräfte die Größe des A330 positiv bewertet.

Experten zweifeln

"Wenn die Ausschreibungsunterlagen sagen, dass größer besser ist, dann werden wir ein großes Flugzeug anbieten", so McNerney. Branchenexperten zweifeln allerdings daran, ob Boeing in der Lage ist, in kurzer Zeit das Projekt neu aufzurollen.

Für Airbus ist der Auftrag nicht nur wegen seines Volumens von großer Bedeutung. Airbus und die Konzernmutter EADS erhoffen sich davon den Durchbruch im US-Verteidigungsgeschäft. Sie haben zugesichert, für das Programm eine Endmontagelinie in Mobile/Alabama einzurichten, auf der auch zivile Flugzeuge gefertigt werden sollen.

McNerney machte deutlich, dass Boeing Airbus mit seinem neuen Langstreckenjet A350 nicht kampflos das Feld überlassen werde. Falls nötig, werde der Konzern ein komplett neues Flugzeug entwickeln, das um 2016 zur Verfügung stehen könnte. Der A350 wird 2013 fertig. Der um zwei Jahre verspätete und deutlich kleinere Boeing-Langstreckenjet 787 soll kommende Woche erstmals vom Werksflughafen in Everett abheben.

© SZ vom 19.06.2009/kaf/mel
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