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Luftfahrtmesse in Paris:Der Jahrhundertauftrag, der nicht kommen will

Airbus erhält eine Großorder aus Katar - doch das Unternehmen hofft auf viel mehr. Boeing verbreitet unterdessen Zuversicht.

Auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris ringen die großen Flugzeughersteller um Aufträge. Doch jetzt schon ist klar: Der Airbus-Konzern EADS muss bis zum nächsten Frühjahr auf eine Entscheidung der USA über den Jahrhundertauftrag für hunderte Tankflugzeuge warten.

Bislang hatte Airbus nur sieben Nettobestellungen in den Büchern stehen. jetzt kommen mehr als zwanzig dazu.

(Foto: Foto: dpa)

Beim ersten Los gehe es um 179 Flugzeuge für 35 Milliarden Dollar, sagte Paul Meyer, Sector Vice President des EADS-Partners Northrop Grumman, auf der Messe.

Washington hatte den Auftrag schon an EADS vergeben, nach einem Protest des US-Flugzeugbauers Boeing aber neu ausgeschrieben. Seit September 2008 äußere sich Washington nicht mehr dazu, sagte Meyer.

Halbes Jahrhundert im Einsatz

"Wir erwarten, dass die endgültigen Vorschläge um die Jahreswende eingereicht werden können. Der Auftrag könnte dann vielleicht im März 2010 vergeben werden."

Die US-Luftwaffe will 534 Tanker des Typs KC-135 und 59 des Typs KC-10 ersetzen. Im ersten Los gehe es um einen Festauftrag für 68 Maschinen im Wert von zwölf Milliarden Dollar sowie Folgeaufträge für 111 Flugzeuge je nach den künftigen Haushaltsvorgaben. Die neuen Tankflugzeuge sollen 20 bis 50 Jahre im Einsatz bleiben.

Im Gespräch ist auch eine Aufteilung des Auftrages auf Boeing, das ein Tankflugzeug KC-767 auf der Basis des Verkehrsjets 767 anbietet, und Northrop Grumman/EADS. In diesem Falle plädiert Northrop für ein Verhältnis 60 zu 40. "Ohne eine Mindestanzahl von 90 bis 100 Flugzeugen lohnt sich die Investition nicht", sagte Meyer.

Wenn Northrop/EADS den ganzen Auftrag erhielte, würden damit 48.000 Arbeitsplätze in den USA geschaffen.

"Unsere Führung mit dem Tanker KC-45 ist geblieben", sagte Meyer. "Unser Grundmodell MRTT auf der Basis der Airbus A330 fliegt bereits." Die Flugtests der Tankeinrichtung würden im August abgeschlossen. Dank seiner größeren Kapazität könne die US-Luftwaffe mit der KC-45 im Vergleich zu Boeings Angebot 22 Tankflugzeuge einsparen, die für andere Zwecke eingesetzt werden könnten.

Auftrag von Qatar Airways

Der Airbus A330MRTT hat sich bislang in allen internationalen Ausschreibungen gegen Boeing durchgesetzt. Das Flugzeug bietet höhere Tank- und Zuladekapazität als Boeings Konkurrenzmodell. Meyer erklärte, der A330MRTT sei auch unter Beschuss sicherer und habe eine höhere Reichweite.

Unterdessen hat die Fluggesellschaft Qatar Airways bei Airbus 24 Kurz- und Mittelstreckenjets der A320-Familie bestellt.

Unter den 24 Festbestellungen ist auch die Bestätigung über Orders von vier A321-Jets aus dem vergangenen Jahr, wie Airbus mitteilte. Der Listenpreis für alle 24 Maschinen beläuft sich auf 1,84 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro). Airbus hatte bislang in diesem Jahr lediglich sieben Nettobestellungen in den Büchern stehen.

Qatar-Chef Akbar Al Baker erklärte, er hätte die nun bestellten Maschinen gern früher ausgeliefert bekommen als vereinbart, aber Airbus könne nicht früher liefern. Die Fluggesellschaft erhält das Gros der Maschinen nun bis 2012.

"Grund zur Hoffnung"

Der Airbus-Konkurrent Boeing unterdessen bereits Mitte nächsten Jahres mit einer Erholung des weltweiten Luftfahrtmarktes.

"Wir könnten beim weltweitem Verkehr die Talsohle erreicht haben", sagte der Chef der Verkehrsflugzeugsparte, Scott Carson, am Montag auf der weltgrößten Luftfahrtmesse in Paris-Le Bourget. Eine Normalisierung auf den Finanzmärkten könnte sich dann in der zweiten Hälfte 2010 durchsetzen. "Wir haben den Eindruck, es gibt Grund zur Hoffnung."

Unklar sei, wie steil der Aufschwung sein werde. Seinen neuen Langstreckenflieger 787 "Dreamliner" will Boeing nach etlichen Verzögerungen nun wie geplant bis Ende Juni in die Luft bringen.

Der Chef der Airbus-Mutter EADS, Louis Gallois, hatte sich am Wochenende skeptischer gegeben. Er rechnet damit, dass auch die Jahre 2010 und 2011 noch schwierig werden. Airbus-Chef Tom Enders erwartet 2011 einen Rückgang der Auslieferungen um 15 bis 25 Prozent. Schon jetzt drückt Airbus bei der Produktion auf die Bremse.

Die Folgen der Krise für die Kunden, insbesondere im Frachtflugzeug-Bereich, seien schwerwiegend, räumte Carson ein. "40 bis 50 Prozent Einbruch ist für viele Frachtflieger normal. Doch das scheint auszulaufen." Eine leichte Erholung im Frachtbereich könnte aber "schon dieses Jahr, sicherlich 2010" einsetzen.

Die Prognose für den Passagierverkehr sei schwieriger. "Wenn wir den Boden erreicht haben und mehr Kapital verfügbar ist, haben wir die Chance, unsere Produktionsrate zu halten." Boeing-Konzernchef Jim McNerney hatte vor Messebeginn erklärt, er rechnet mit einem Wiederanziehen der Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte 2010. Bis dahin seien keine weiteren Produktionskürzungen nötig. Es wurden aber Aufträge auf 2010 und 2011 verschoben.

Allerdings hatte die Boeing-Fertigung 2008 stark unter einem langen Streik gelitten. Die Fertigung der 777 wurde von sieben auf fünf im Monat verringert. "Ich glaube, wenn sich die Krise 2011 und 2012 verlängert, wäre das eine Herausforderung für uns", sagte McNerney. "Die meisten Volkswirte sagen, dass es sich ab 2011/2012 verbessern wird. Ich muss ihnen also glauben. Aber ich bleibe optimistisch: Die Aussichten der Branche bleiben langfristig sehr gut."

"Langfristig ist die Nachfrage robust", sagte auch Carson. "Wenn die Wirtschaft sich erholt, werden sich auch der Passagier- und Frachtverkehr erholen." In den nächsten 20 Jahren würden 29.000 Flugzeuge im Wert von rund 3,2 Billionen Dollar benötigt.

Erstflug für den Dreamliner

Auf der Anbieterseite werde sich aber einiges tun. "Airbus wird ein harter Wettbewerber bleiben. Doch von unten kommen fünf neue Wettbewerber im Bereich der Mittelstreckenflugzeuge dazu." Darunter seien China, Japan und Russland. "Wir müssen besser sein als bisher, um Branchenprimus zu bleiben", sagte Carson.

Zum neuen Langstreckenflieger 787 Dreamliner sagte Carson: "Es bleibt bei dem Plan, den Erstflug noch im zweiten Quartal zu absolvieren", also noch bis Ende Juni. Im nächsten Jahr sollen dann die ersten Maschinen an die Kunden gehen.

Wegen der Wirtschaftskrise gab es bei der 787 zwar schon Abbestellungen, sie bleibt aber mit rund 860 Maschinen Aufträgen immer noch das bislang meistbestellte Modell der Boeing- Geschichte. Erster Kunde ist die japanische Gesellschaft All Nippon Airways (ANA).

Auch Airbus kämpfte beim geplanten Konkurrenzmodell A350 XWB mit Verzögerungen, will nun aber wie zuletzt geplant 2013 fertig sein. Boeing bekam beim Dreamliner besonders Probleme durch die umfangreiche Auslagerung von Arbeiten an Zulieferer. Teile davon mussten wieder in den Konzern zurückgeholt werden.

© sueddeutsche.de/dpa/AP/hgn/tob

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