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BMW und Allianz:Autonom versichert

Auch wenn der Halter nicht am Steuer sitzt, weil der Wagen autonom fährt: Kommt es zum Crash, soll er zunächst haften, wollen BMW und Allianz.

Schon 2021 will BMW mit einem autonomen Fahrzeug in Serie gehen. Der Hersteller investiert hohe Summen in einen eigenen Campus in Unterschleißheim. Kein Wunder, dass sich das Unternehmen darüber Gedanken macht, wie die selbstfahrenden Wagen denn versichert sind. Das ist für den Absatz weltweit von Bedeutung - und keineswegs geregelt.

In Deutschland gibt es für alle Fahrzeuge eine verpflichtende Haftpflichtversicherung. Kommt es zu einem Unfall, kann sich der Geschädigte an den Haftpflichtversicherer wenden. Aber was passiert, wenn der Pkw oder Lkw autonom fährt und es einen Crash gibt, der eindeutig auf das Konto dieses Wagens geht? Ist der Hersteller in der Haftung? Der Halter kann es ja kaum sein, er ist nicht gefahren. Doch deutsche Versicherer sind dafür, dass es bei der Haftung des Halters bleibt. Das sieht auch die Bundesregierung so. Jetzt schließt sich BMW an. Die Alternative wäre schließlich die direkte Haftung der Hersteller gegenüber Unfall-Geschädigten.

Mit der Allianz-Tochter Worldwide Care haben die BMW-Experten eine Arbeitsgruppe gegründet. Die Ergebnisse: Der Kfz-Versicherer soll für einen Geschädigten die erste Anlaufstelle bleiben, "unabhängig davon, ob das Fahrzeug manuell oder automatisch bewegt wurde". Liegt eine Fehlfunktion des Fahrzeugs vor, prüfen Hersteller und Versicherer, wer verantwortlich ist. "Wir sind uns einig, dass der derzeit gültige Grundsatz sich auch für teil- und voll automatisierte Fahrzeuge eignet", sagt BMW-Manager Elmar Frickenstein.

Er geht noch weiter: "Wir unterstützen eine entsprechende globale Standardisierung." Das richtet sich vor allem an die USA und eine Reihe asiatischer Länder. Denn dort gibt es keine strikte Halterhaftung wie in Deutschland. In den USA wird erst von einem Gericht entschieden, mit wem sich der Geschädigte nach einem Unfall auseinandersetzen muss - dem Hersteller, dem Fahrer (und seiner Versicherung) oder einer ganz anderen Partei.

Für die Allianz ist die BMW-Unterstützung wichtig. Die Versicherer müssen befürchten, dass mit dem autonomen Fahren und dem Rückgang der Unfallzahlen ihre Beiträge - zurzeit allein in Deutschland 26 Milliarden Euro im Jahr - drastisch sinken. Würde die Zwangsversicherung der Halter abgeschafft und durch eine Großpolice der Hersteller ersetzt, gäbe es noch mehr Druck auf die Umsätze. Und BMW, VW und Daimler hätten ein gigantisches Haftungsproblem.

© SZ vom 28.03.2017

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