Bilanzskandal:Wirecard-Manager in Untersuchungshaft

Die Staatsanwaltschaft München I hat den früheren Geschäftsführer einer Dubaier Wirecard-Tochterfirma verhaftet. Er steht unter Betrugsverdacht und gilt im Wirecard-Skandal als Schlüsselfigur.

Von Nicolas Richter, Jan Willmroth und Nils Wischmeyer

Am Montag hat sich nach Ex-Wirecard-Chef Markus Braun der zweite hochrangige Manager im Skandal um den insolventen Dax-Konzern den Ermittlern gestellt. Er muss anders als Braun in Untersuchungshaft bleiben, wie die Staatsanwaltschaft München mitteilte. Der Verdächtige war in den vergangenen Jahren einer der wichtigsten Manager des Wirecard-Konzerns. Bis zuletzt führte er die Geschäfte der Konzerntochter Cardsystems Middle East mit Sitz in Dubai, die einen wesentlichen Teil zu den gefälschten Zahlen des Konzerns beigetragen haben soll. Die Ermittler sehen bei dem Beschuldigten einen dringenden Tatverdacht des gemeinschaftlichen Betrugs und des versuchten gemeinschaftlichen Betrugs im jeweils besonders schwerem Fall. Auch gebe es den Verdacht der Beihilfe zu anderen Straftaten, teilten die Ermittler mit.

Damit ist im Fall Wirecard erstmals offiziell von Betrug und versuchtem gemeinschaftlichen Betrug die Rede. Zuvor stand offiziell der Verdacht der Marktmanipulation, Bilanzfälschung und Untreue im Raum. Der Beschuldigte war nach Angaben der Staatsanwaltschaft aus Dubai angereist und hatte sich dem Strafverfahren gestellt. Am Nachmittag entschied ein Haftrichter, dass er zunächst in Untersuchungshaft bleiben muss. Es bestünden Flucht- und Verdunkelungsgefahr.

Der Verdächtige gilt als Schlüsselfigur im Gefüge des Zahlungsdienstleisters. Vor allem über die Dubaier Zweigstelle dürften die Ermittler von ihm mehr erfahren wollen. In den vergangenen Jahren steuerte diese Gesellschaft bis zu einem Drittel zum ausgewiesenen Konzernumsatz von Wirecard bei. Ein Großteil der über CardSystems verrechneten Summen stammte aus dem mutmaßlich betrügerischen Drittpartnergeschäft und existierte nach Erkenntnissen von Wirtschaftsprüfern und Ermittlern nur auf dem Papier. Auch eine Sonderprüfung der Wirtschaftsprüfer von KPMG hat viele Fragen dazu aufgeworfen.

Von den vielen Widersprüchen rund um den insolventen Wirecard-Konzern und die aufgeblähten Bilanzen wird der neue Untersuchungshäftling so manche womöglich aufklären können. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt auch gegen den früheren Konzernchef Markus Braun, der gegen Kaution auf freiem Fuß ist, sowie gegen den Ex-Vorstand Jan Marsalek, der flüchtig ist.

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