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Beruf Detektiv:Das harte Leben eines Ladendetektives

Nur einmal in seiner Karriere gab es eine Verfolgungsjagd. Er versuchte, einen Mann zu beschatten, der krankgeschrieben war, nebenher aber ein Restaurant leitete. "Der Typ fuhr immer so schnell, dass wir Mühe hatten, an ihm dran zu bleiben." Hätte ein magnetischer GPS-Empfänger wie in den Detektivsendungen nicht geholfen? "Ach, ich habe den technischen Schnickschnack ausprobiert, das Zeug ist sehr störanfällig." Also verfolgte Paul den Mann drei Tage lang, ehe er wusste, wo er nebenher arbeitete. "Bei solchen Aufträgen konnte man ordentliche Stundensätze abrechnen, auch Spesen", sagt Paul. Aber das war ein seltener Fall.

Als Ladendetektiv ist das Leben hart. "Nötig wäre eine richtige Ausbildung, wie bei der Polizei. Mit Gesetzeskunde und vor allem Sprachen. Was ich schon für Berichte gelesen habe in einem vogelwilden Deutsch", klagt Paul. Tatsächlich ist der Detektivjob völlig ungeschützt. Jeder kann sich jederzeit Detektiv nennen. Die einzige Voraussetzung: eine Sachkundeprüfung für das Bewachungsgewerbe, gemäß Paragraf 34a der Gewerbeordnung. In einer Woche kann man die Punkte lernen - und den Gewerbeschein erhalten. Und das Angebot an Privatschnüfflern wird immer größer: Die Arbeitsagenturen zahlen Arbeitslosen gerne die entsprechende Fortbildung. Mit einem Gründerzuschuss sind viele dann sogar noch billiger für die Discounter.

Vielleicht sogar so billig, dass Detektive künftig sogar angeheuert werden, um Kunden und Mitarbeiter systematisch zu überwachen, wie es einst beim Aldi-Konkurrenten Lidl? Wolfgang Paul schüttelt den Kopf: "Ich habe in meiner Zeit bei Aldi vielleicht zehn Mal versteckte Kameras installiert." Jedes Mal, sagt er, habe es einen begründeten Anfangsverdacht gegeben. "Ich hätte schon gerne eine Kamera in der Umkleidekabine gehabt, um manchen Mitarbeiter zu überführen. Aber das durfte ich nicht." Ist Aldi also besser als Lidl? "Ach was, bei Aldi hat man doch bloß nicht systematisch überwacht, weil es den Managern schlicht zu teuer war."