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Bertelsmann:Erfolgskapitel

Michelle Obama

Michelle Obama beim Signieren ihres Buches in einer Buchhandlung in New York City: Die Autobiografie verkauft sich weltweit bestens.

(Foto: Richard Drew/AP)

Der deutsche Medienkonzern hat bislang zehn Millionen Exemplare der Memoiren von Michelle Obama verkauft und hofft auf mehr. Das gute Buchgeschäft und der Sender RTL sorgen für steigenden Umsatz.

Markus Dohle, 50, sitzt auf dem Podium nicht in der Mitte, sondern nur rechts am Rand. Aber er hat an diesem Dienstag in Berlin doch eine Hauptrolle. Denn der Mann aus New York, Chef des Unternehmens Penguin Random House - der größte Buchverlag der Welt gehört mehrheitlich zum Gütersloher Bertelsmann-Konzern - hat gute Zahlen mitgebracht. "Becoming", die Autobiografie von Michelle Obama, hat sich bislang weltweit fast zehn Millionen Mal verkauft, dazu kommen geschätzt weitere zwei Millionen bei anderen Verlagen, die Rechte an dem Buch von Penguin Random House erworben hatten.

"Das übertraf unsere kühnsten Erwartungen", sagt Dohle. Die Memoiren seien bereits das "mit Abstand erfolgreichste Buch" des vergangenen Jahres, so Dohle, und es habe das Potenzial, eines der bestverkauften Sachbücher aller Zeiten zu werden. Der Erfolg schlägt sich auch in den Zahlen nieder: Penguin Random House konnte Umsatz und Ergebnis im vergangenen Jahr steigern. Sogar von einer "Renaissance des Buchs" ist die Rede, wurden doch weitere Bestseller verkauft und unter anderem ein Verlag in Indien erworben.

Das positive Buchgeschäft und die nach wie vor gute Entwicklung bei der Fernsehtochter RTL haben auch dazu beigetragen, dass Bertelsmann insgesamt 2018 mehr Umsatz ausweisen konnte. Der stieg um 2,8 Prozent auf 17,67 Milliarden Euro, der höchste Wert seit 2007. Der Gewinn ging allerdings um acht Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zurück. Ausgeschüttet werden an die Bertelsmann-Eigentümer wie im Vorjahr 180 Millionen Euro. Das Geld erhält die Familie des Gründers Reinhard Mohn, die 20 Prozent hält, und die Bertelsmann-Stiftung.

Bertelsmann bekommt dabei, wie andere Medienfirmen aus Deutschland und Europa auch, die Konkurrenz der großen Internetkonzerne aus den USA deutlich zu spüren, das Anzeigengeschäft wandert ab, vor allem Richtung Google und Facebook, die großen Streaminganbieter wie Netflix, Amazon Prime und künftig auch Apple bedrängen RTL. Konzernchef Thomas Rabe kündigte an, dass deshalb künftig massiv in Inhalte investiert werde, gleichzeitig die einzelnen Unternehmen des Konzerns deutlich enger zusammenarbeiten werden.

Bei "Becoming" ist das bereits passiert. Es habe von Anfang an ein globales Projektteam gegeben, berichtet Dohle. Die Buchrechte wurden vor allem an Schwesterfirmen in aller Welt weitergegeben, es gab einen globalen Erscheinungstermin und das Buchcover sieht überall gleich aus. Magazine der Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr berichteten ausführlich. Penguin Random House hatte bereits im Februar 2017 die Weltrechte an Michelle Obamas Autobiografie und an Barack Obamas Memoiren erworben und dafür unbestätigten Berichten zufolge zusammen rund 65 Millionen Dollar gezahlt. Dohle sagte, dass das Buch des ehemaligen US-Präsidenten hoffentlich noch in diesem Jahr auf den Markt komme, rechtzeitig vor den nächsten US-Wahlen. Ein Erscheinungstermin stehe aber noch nicht fest. Die Erwartungen sind bereits groß. "Wir hoffen, dass sich sein Buch genauso gut verkauft", sagte Dohle.

"Becoming" sei alleine vor Weihnachten eine Million Mal pro Woche verkauft worden, und es laufe noch immer gut, so Dohle. Michelle Obama sei nach wie vor auf Tour, um das Buch zu vermarkten. 80 Prozent der Verkäufe entfallen dabei auf die gedruckten Ausgaben, mit einem Verkaufspreis von mehr als 30 Dollar, die übrigen 20 Prozent auf E-Books und das Hörbuch, das Michelle Obama selbst aufgenommen hat. Nach Angaben Dohles habe sich der Anstieg von E-Book-Verkäufen deutlich verlangsamt. "Hörbücher könnten nach und nach E-Books einholen", fügte er an.

Für Facebook arbeiten alleine mehrere Tausend Mitarbeiter von Arvato

Konzernchef Rabe gab sich zuversichtlich, dass der Konzern insgesamt auch 2019 zulegen werde, der Gewinn werde aber nur wenig zulegen. "Wir werden die Transformation und das Wachstum von Bertelsmann auch 2019 weiter vorantreiben", sagte Rabe. Er hatte einst angekündigt, dass er die Umsatzmarke von 20 Milliarden Euro erreichen werde. "Ich habe überhaupt keinen Zweifel, dass wir das erreichen", sagte er. Bertelsmann hatte in den vergangenen Jahren einige Sparten abgegeben, was deutliche Einbußen beim Umsatz zur Folge hatte. Das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr, das Magazine wie Stern, Brigitte oder Schöner Wohnen verlegt, etwa schrumpfte deutlich, und konzentriert sich heute vor allem auf Deutschland. Die Callcenter-Sparte wurde in ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem Partner eingebracht, die Druckereien machten auch Probleme. Zuletzt wurden insgesamt etwa 1,5 Milliarden Euro im Jahr investiert, besonders auch in den Aufbau eines weltweiten Bildungsgeschäftes.

Sorge machte Rabe insbesondere die Konkurrenz durch US-Konzerne. Er kritisierte, dass es kein "modernes, faires regulatorisches Umfeld zwischen Kreativindustrie und Tech-Plattformen" gebe. Es könne einfach nicht sein, dass Tech-Unternehmen aus den USA mit Inhalten, die ihnen nicht gehören, Milliardengewinne machten. Er begrüßte ausdrücklich die heftig umstrittene Urheberrechtsreform durch das EU-Parlament.

Gleichzeitig profitiert der Konzern auch vom Aufschwung der US-Tech-Unternehmen. So werden bereits zwei Milliarden Euro Umsatz mit diesen gemacht - "mit einer hohen operativen Profitabilität", wie Rabe betonte. Alleine mehrere Tausend Mitarbeiter der Bertelsmann-Tochter Arvato sind derzeit für Facebook aktiv, um etwa Hasskommentare und andere illegale Inhalte bei dem sozialen Netzwerk zu löschen. Der Einstieg von Apple in den Video-Streamingmarkt ändere nichts an den Online-Videoplänen der Konzerntochter RTL. Man werde weiter massiv in lokale Inhalte investieren, so Rabe, und sich auf Deutschland, Frankreich und die Niederlande konzentrieren.