Bertelsmann:Der ungeliebte Sohn geht

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Jahrelang hatte man vergeblich darauf gewartet, dass Johannes Mohn die Regie bei Europas größtem Medienkonzern übernehmen würde. Doch der älteste Sohn des Firmenpatriarchen Reinhard Mohn kam nicht zum Zuge - jetzt verlässt er das Haus.

C. Dohmen

Das Rennen um den Chefsessel machten regelmäßig familienfremde Manager: erst Thomas Middelhoff, dann Gunter Thielen, und heute dirigiert Hartmut Ostrowski Europas größten Medienkonzern. Nun hat er, 58-jährig, offenbar aufgegeben und verlässt den Bertelsmann-Konzern auf eigenen Wunsch.

Bertelsmann, dpa

Johannes Mohn verlässt den Bertelsmann-Konzern im ostwestfälischen Gütersloh.

(Foto: Foto: oH)

Dabei hatte sein Vater schon mit der Wahl des Namens ein deutliches Zeichen gesetzt. Johannes Mohn hieß sein eigener Großvater, der den Verlag im Jahre 1887 durch seine Einheirat in die Familie Bertelsmann übernommen hatte. Aus dem Verlag für kirchliche Schriften formten die Mohns dann in den folgenden Jahrzehnten ein Weltunternehmen, zu dem heute unter anderem der Fernsehkonzern RTL, der Zeitschriftenverlag Gruner+Jahr sowie der Buchverlag Random House und der Dienstleister Arvato gehören.

Reinhard Mohn hat seinen Sohn im Kinderwagen durch die Stadt geschoben und stolz seinen Mitarbeitern präsentiert. Wenn Johannes wolle, könne er Bertelsmann übernehmen, sagte sein Vater öffentlich - im Jahr 1978. Allerdings müsse er sich qualifizieren: "Die Tatsache, dass er mein Sohn ist, reicht nicht aus."

Nie wieder sollte Mohn eines seiner sechs Kinder so deutlich als Nachfolger herausstellen. Johannes wurde Wirtschaftsingenieur, sammelte bei der Konkurrenz und Bertelsmann in den USA und in Mexiko Erfahrung. Als Chef in Warteposition saß er einige Jahre sogar im Aufsichtsrat des Unternehmens.

Die falsche Mutter gehabt

Als Thielen den Chefsessel aufgab, hatte ihn dennoch niemand mehr als Nachfolgekandidaten auf seiner Liste, was auch daran lag, dass er die falsche Mutter hatte. Er stammt aus der ersten Ehe von Reinhard Mohn mit Magdalene Raßfeld. Beide hatten einst gemeinsam Tanz- und Klavierstunden absolviert und waren in der Folge dann 33 Jahre verheiratet. In dieser Zeit durfte sich Johannes als Erbe und Nachfolger fühlen.

Vater und Sohn leben noch heute wenige Kilometer voneinander entfernt in der ostwestfälischen Provinz. Sie könnten sich zu Fuß besuchen, doch sie hätten sich auseinandergelebt, heißt es. 1981 heiratete Reinhard Mohn seine frühere Sekretärin Elisabeth Scholz, heute bekannt als Liz Mohn. Sie ist jetzt Herrscherin im Hause Bertelsmann. Ihre Macht hat durch den Rückkauf der Bertelsmann-Anteile zuletzt sogar zugenommen. Die Familie gibt wieder die Richtung vor.

"Offiziell scheiterte er an der Bewertung der Manager", schrieb Bertelsmann-Buchautor Thomas Schuler. Heute sind neben Liz Mohn zwei ihrer Kinder vertreten: Christopher führt das erfolglose Internet-Portal Lycos, das Bertelsmann verkaufen will. Seine Schwester Brigitte ist Mitglied im Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Beide sitzen neben ihrer Mutter im Aufsichtsrat von Bertelsmann. Dorthin wird Johannes Mohn wohl nicht zurückkehren. Für ihn fand Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski in einem Schreiben an die Mitarbeiter folgende Worte: "Johannes Mohn war 27 Jahre lang eine wichtige Führungskraft." Für den Chefposten hat es nicht gereicht.

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