Berlusconis Firmenimperium:Berlusconi ist vom Wirtschaftsaufschwung abhängig

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Ganz und gar nicht der Vater, hatte Pier Silvio das Sparen zur Chefsache erklärt und sich die Krisenrezepte von Angela Merkel zum Vorbild genommen: Kürzungen, Austerität, Opfer. Jedes Produkt, jeder Ausgabenposten sei einzeln analysiert worden. "Mit erstaunlichen Ergebnissen", kommentiert er.

2012 hatte Mediaset den ersten Verlust seiner 34-jährigen Geschichte eingefahren: 290 Millionen Euro. Allein dank des Kostenabbaus um 22 Prozent sprang 2013 ein kleiner Gewinn von acht Millionen Euro heraus - die Aktionäre gehen im zweiten Jahr in Folge leer aus. Sie können sich aber über einen formidablen Kursanstieg freuen. Vom Tiefstand von 1,16 Euro im November 2011, als Berlusconi stürzte, kletterte die Mediaset-Aktie auf 4,1 Euro.

Wie der Vater - oder eben nicht

2013 schnitt Mediaset in Mailand mit einem Zuwachs von 120 Prozent als bestes Börsenunternehmen ab. Pier Silvio Berlusconi kann dem politischen Ausschluss seines Vaters nun offenbar Gutes abgewinnen. "Wir waren die Zielscheibe, um ihn zu treffen", sagt der Fernsehmanager. Tritt Pier Silvio im blauen Jackett, das über dem vom Krafttraining gestählten Brustkorb spannt, auf kurzen Beinen an, denkt man an den Vater. Doch die Ähnlichkeit hört bei der gedrungenen Statur erst einmal auf.

Berlusconi Jr. blieb im März der Oscar-Verleihung an den Filmemacher Paolo Sorrentino in Hollywood fern. "Ich hüte mich vor mondänen Auftritten, jeder freie Tag gehört meinem Sohn Lorenzo", sagte der Mediaset-Chef. Im Januar schlug er Krach, weil die Familien-Show "Domenica Live" am Sonntagnachmittag auf Canale 5 ausschließlich um das Thema Sex kreiste. Stinksauer drohte er mit der Absetzung der Sendung. Das sorgte für Aufsehen, war sein Vater einige Monate zuvor doch zu sieben Jahren Gefängnis wegen Sex mit der minderjährigen Ruby verurteilt worden.

Der Sohn versucht nun, den Fernsehkonzern auf Wachstumskurs zu bringen. Im Dezember kündigte er die Fusion des Bezahlsenders Mediaset Premium mit Digital+ in Spanien, an dem Mediaset mit 22 Prozent beteiligt ist, an. Der Premium-Kanal ist mit seiner stagnierenden Abonnentenzahl (zwei Millionen) nie aus den roten Zahlen gekommen. Die Integration mit Digital+ erhöht nun die Aussicht, einen finanzkräftigen Partner für das kostspielige Abenteuer zu finden.

Als potenzielle Interessenten werden Al Jazeera, RTL, Canal+ und die News Corporation von Rupert Murdoch gehandelt. Die Verstärkung wird umso wichtiger, als Mediaset schon einen spektakulären Schritt in die neue Richtung gewagt hat. Im Februar überrumpelte Berlusconi die Konkurrenz und erwarb für 660 Millionen Euro die Übertragungsrechte für die Spiele der Champions League.

Berlusconi investiert. Aufgehen kann seine Rechnung aber nur, wenn Italien endlich die Krise überwindet, denn der Alt-Unternehmer hängt mit seinem werbefinanzierten Fernsehen vom Aufschwung ab. Der Antritt des neuen Regierungschefs Matteo Renzi beflügelte vorerst den Börsenkurs von Mediaset.

Die Berlusconi-Kinder setzen insgeheim ja vielleicht auf einen Erfolg des Linken Renzi.

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