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Berater:Undurchsichtige Vermittler

Es ist üblich in der Bankenbranche, Berater dafür zu bezahlen, dass sie Geschäfte vermitteln. Manchmal aber werden dabei die Grenzen zu Korruption überschritten.

Von Meike Schreiber

Wenn ein Unternehmen ein anderes übernimmt, verdienen viele mit: Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Investmentbanker und manchmal auch Vermittler, die auf Kaufgelegenheiten aufmerksam machen. Es ist üblich in der Bankenbranche, Berater dafür zu bezahlen, Geschäfte zu vermitteln, Kontakte herzustellen. Viele Investmentbanken beschäftigen Ex-Politiker oder frühere Konzernchefs als Türöffner in die Politik oder Branchen.

Der frühere britische Premierminister Tony Blair etwa berät seit Jahren die US-Investmentbank JP Morgan; und wenn ihr Chef, Jamie Dimon, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos Gäste seines Empfangs begrüßt, dann steht an seiner Seite stets auch Blair und schüttelt die Hände.

Auch in Deutschland lassen sich einige Investmentbanken von früheren Politikern beraten. Für solche Verträge gibt es zwar Regeln, auf deren Einhaltung die Rechts- und Compliance-Abteilung einer Bank wachen sollte. Gleichwohl aber haben viele Geldhäuser auch immer wieder die Grenze zur Korruption getestet.

Die Deutsche Bank zum Beispiel zahlte im Herbst 2019 im Rahmen eines Vergleiches 16 Millionen Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC, weil das Institut in China und Russland jahrelang Kinder von Politikern und Unternehmenschefs eingestellt hatte, um an Aufträge heranzukommen.

Außerdem heuerte die Bank 2005 für ein Millionenhonorar einen Berater an, dessen einzige Leistung es wohl war, Insiderinformationen für eine Übernahme zu beschaffen. JP Morgan zahlte wegen ähnlicher Praktiken sogar 264 Millionen Dollar an die US-Behörden.

Ein "Consultant mit großem Netzwerk" sollte Aufträge anbahnen

Die Deutsche Bank stieß bei ihren Untersuchungen auch in der Schweiz, Russland und Saudi-Arabien auf zahlreiche dubiose Vereinbarungen. Im Jahr 2019 musste die Bank zudem im Rahmen eines Vergleichs 175 Millionen Euro an die niederländische Wohnungsbaugesellschaft Vestia bezahlen. Vestia hatte die Bank verklagt, nachdem das Geldhaus für die Niederländer bis 2012 Derivategeschäfte arrangiert hatte, die zu enormen Verlusten geführt hatten. Das Geldhaus hatte dafür offenbar 3,5 Millionen Euro an einen Mittelsmann gezahlt, der davon 1,75 Millionen Euro an einen Manager von Vestia zahlte, der den Deal abwickelte. Ein Sprecher teilte mit, die Bank folge bei der Mandatierung von Beratern allen rechtlichen Rahmenbedingungen und ihren internen Richtlinien.

© SZ/shs
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