Bayer Viele Fragen und ein paar Antworten

Das Bayer-Logo an einem Gebäude am Hauptsitz des Konzerns in Leverkusen.

(Foto: Wolfgang Rattay/Reuters)

Monsanto führte in sieben Ländern Listen mit Kritikern. Die US-Kanzlei Sidley Austin soll den Fall aufklären.

Von Elisabeth Dostert

Am liebsten geben Konzerne wie Bayer Antworten auf Fragen, die sie selbst gestellt haben. Auf der Internetseite www.hier-sind-die-fakten.de will der Dax-Konzern künftig über den "aktuellen Stand zu den Stakeholder-Listen von Monsanto" informieren. Seit ein paar Monaten sind die Probleme von Monsanto die Probleme von Bayer, denn seit Juni 2018 ist die US-Saatgut-Firma Teil des deutschen Konzerns. Rund 63 Milliarden Dollar zahlte Bayer für Monsanto und seine Probleme.

Das eine Problem ist der Unkrautvernichter Glyphosat. In den USA wurden bis Mitte April von Gärtnern, Landwirten und anderen Menschen mehr als 13 400 Klagen eingereicht. Viele leiden an Krebs und machen dafür das glyphosat-basierte Mittel Roundup verantwortlich. Vor einer Woche sprachen Geschworene einem Rentnerehepaar mehr als zwei Milliarden Dollar zu.

Wenige Tage vorher lieferten Journalisten einen Beleg dafür, mit welchen Methoden Monsanto arbeitete. Die Zeitung Le Monde und der öffentlich-rechtliche Sender France 2 berichteten, dass die PR-Agentur Fleishman Hillard 2016 im Auftrag von Monsanto in Frankreich Listen anlegte, zum Teil persönliche Informationen über Wissenschaftler, Politiker, Journalisten und andere Personen, die sich an der Debatte um Glyphosat und Gentechnik beteiligten. Den Berichten zufolge wurden die Personen klassifiziert - in Verbündete, potenzielle Verbündete, die es zu rekrutieren gelte, Akteure, die zu "erziehen" und solche, die "zu überwachen" seien. Wie Bayer am Dienstag mitteilte, soll die US-Kanzlei Sidley Austin die Vorwürfe aufklären. Die Kanzlei mit Sitz in Chicago beschäftigt nach eigenen Angaben in weltweit 20 Büros 2000 Rechtsanwälte, die Untersuchung soll das Büro in Brüssel führen. Die Kanzlei sei bereits für Bayer tätig gewesen.

Wie viele Namen auf den Listen stehen, ist Teil der Untersuchung

In einer Antwort heißt es, dass Fleishman Hillard im Auftrag von Monsanto Listen in Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Spanien, Großbritannien und im Umfeld von EU-Institutionen führte. Die Kanzlei solle untersuchen, ob es auch für andere Länder Listen gab. In einer Antwort bittet Bayer, von direkten Anfragen an die Kanzlei abzusehen. Es gibt zwar auf der Internetseite ein allgemeines Kontaktformular, aber keine explizite Adresse für die potenziell Betroffenen der Monsanto-Listen . Die Kanzlei werde alle auf den Listen geführten Personen informieren, um welche Dateien es sich handele. Die "Benachrichtigungen" sollen "spätestens Ende der kommenden Woche" beginnen. Wie viele Namen auf den Listen stünden, sei Teil der Untersuchung.

Auf der Internetseite www.hier-sind-die-fakten.de sind die Monsanto-Listen nur einer von vielen Punkten. Im wesentlichen nutzt sie der Konzern bislang, um seine Sicht zu Landwirtschaft, Ernährung, Artenvielfalt oder Insektensterben darzulegen und die - aus seiner Sicht - Vorzüge von Glyphosat und Gentechnik, also genau jene Argumente, gegen die Kritiker auf den Listen seit langem kämpfen. In Kommunikation und Lobbying will Bayer die Zusammenarbeit mit Fleishman Hillard "bis auf Weiteres" beenden. Im Marketing arbeitet der Konzern weiter mit der Agentur zusammen.