BASF Jahr der Erneuerung

Martin Brudermüller ist seit einem Jahr Vorstandschef des Chemiekonzerns BASF. Er hat sich viel vorgenommen.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

BASF ist schwach gestartet. Vorstandschef Brudermüller will den Konzern schlagkräftiger machen.

Von Elisabeth Dostert, Mannheim

Ein Jahr führt Martin Brudermüller nun den Chemiekonzern BASF. Der 57-Jährige will vieles auf einmal. Der Konzern soll schneller, effizienter, nachhaltiger, digitaler, mutiger und schlagkräftiger werden. "2019 wird ein Jahr des Übergangs und ein Jahr der Erneuerung." Diese Botschaft verkündet der promovierte Chemiker seit Monaten. Die Aktionäre bekamen sie am Freitag in Mannheim zum ersten Mal zu hören, es war für Brudermüller sein Einstand als Vorstandsvorsitzender. Er bekam wiederholt Beifall.

Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), ließ es sich nicht nehmen zu sagen: "Ich möchte mich ausdrücklich dafür bedanken, dass Sie nicht Monsanto gekauft haben." Damit seien den BASF-Aktionären die Leiden der Bayer-Aktionäre erspart geblieben. Mit 2018 ist Tüngler wie viele Aktionäre unzufrieden.

Der Umsatz stieg leicht um zwei auf knapp 63 Milliarden Euro, aber das operative Ergebnis brach um gut ein Fünftel auf rund sechs Milliarden Euro. Der Aktienkurs hat kräftig gelitten. 2019 begann schwach. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um drei Prozent auf gut 16 Milliarden Euro, das operative Ergebnis brach um gut 22 Prozent auf knapp 1,8 Milliarden Euro. Eine Belebung des Geschäfts erwartet Brudermüller erst in der zweiten Jahreshälfte.

"Die BASF hat ein Wachstums- und Profitabilitätsproblem", bemängelt Arne Rautenberg, Portfolio-Manager von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Er und andere Aktionäre hinterfragen, ob der Konzern wirklich so sozial und ökologisch wirtschaftet wie er vorgibt. Ob BASF weiter mit dem Bergbauunternehmen Lonmin zusammenarbeite, bei dem es in Platinminen in Südafrika "zu schweren Menschenrechtsverstößen gekommen" sei, fragt Rautenberg. "Ja, das tun wir", antwortet Brudermüller. Man arbeite mit der Firma und anderen Beteiligten daran, die Bedingungen langfristig zu verbessern. "Das ist besser, als die Lieferungen zu beenden. Das hilft den Menschen dort auch nicht", so Brüdermüller. Der südafrikanische anglikanische Bischof Johannes Seoka, der seit Jahren auf der Hauptversammlung für die Minenarbeiter und deren Familien spricht, fürchtet, dass sich deren Lage mit der geplanten Übernahme von Lonmin durch Sibanye Stillwater verschlechtert. Für 2019 hat BASF ein Reaudit von Lonmin geplant.

Portfolio-Manager Rautenberg geht auch die Klimastrategie von BASF nicht weit genug. Der Konzerne scheine sich immer noch nicht am Zwei-Grad-Ziel zu orientieren. Eine CO₂-neutrale Produktion sei heute in der Chemieindustrie "technisch und ökonomisch nicht möglich", erwidert Brudermüller, schon wegen des hohen Energiebedarfs.