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Banken:Was sich seit der Finanzkrise getan hat

Nach der Mega-Pleite der US-Bank haben sich die Spielregeln für die Geldhäuser geändert. Die Politiker der wichtigsten Industrieländer trafen sich in kurzen Abständen und versprachen in immer neuen Erklärungen, wie sie den Finanzsektor besser kontrollieren wollen. Was ist aus diesen Bekenntnissen geworden?

Andrea Rexer, Frankfurt

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Banken:Eigenkapital

10 Jahre Euromünzen

Quelle: dpa

Seit der Mega-Pleite der US-Bank Lehman Brothers 2008 haben sich die Spielregeln für die Geldhäuser geändert. Die Politiker der wichtigsten Industrieländer trafen sich in kurzen Abständen und versprachen in immer neuen Erklärungen, wie sie den Finanzsektor besser kontrollieren wollen. Was ist aus diesen Bekenntnissen geworden?

Eigenkapital

Das Königsinstrument der Regulatoren ist die Eigenkapitalquote. Und genau in diesem Bereich ist mit Abstand am meisten passiert, seit Lehman Pleite ging. Die Kapitalquote hat herausragende Bedeutung. Denn je dicker das Kapitalpolster der Banken, desto besser können sie etwaige Verluste selbst auffangen. Im Idealfall retten sich die Banken also selbst. Dann fällt Verantwortung und Haftung wieder zusammen.

Die Kapitalquote wirkt aber auch vorbeugend: Wenn die Banker wissen, dass es ihnen im Schadensfall selbst an den Kragen geht, agieren sie vorsichtiger. Deswegen haben sich die Regulatoren nach der Lehman-Pleite sofort daran gemacht, die Kapitalquoten zu erhöhen.

Dabei ist ein Regelwerk entstanden, das im Fachjargon "Basel III" heißt. Darin ist festgelegt, dass bis 2019 stufenweise die Kapitalquote angehoben wird. Dass die Märkte oft viel schneller reagieren, als die Politik, zeigt sich an "Basel III" besonders deutlich. Die Investoren prangern schon jetzt Institute an, die die erst in Zukunft geltenden Vorgaben noch nicht erfüllen. Daher haben viele Banken bereits gehandelt und ihr Kapital weit über die derzeit geltenden Vorschriften hinaus erhöht.

Das wird belohnt: Ein Blick an die Börsen zeigt, das Banken mit hoher Kapitalquote häufig einen höheren Aktienkurs haben.

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Banken:Aufsicht

EU plant Bankenunion

Quelle: dpa

Aufsicht

Um die Kontrolle zu verbessern, wurden drei europäische Behörden gegründet: Eine Banken-, eine Versicherungs- und eine Wertpapieraufsicht. Doch mit der Bankenaufsicht war niemand richtig zufrieden. Und so stellte die EU-Kommission ihre Pläne für eine Bankenunion vor. Sie sieht vor, dass die Europäische Zentralbank ab Januar 2013 die Aufsicht übernimmt. Zudem soll es eine gemeinsame Abwicklungsbehörde und eine Einlagensicherung geben.

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Banken:Boni

Kriminalbeamte fordern Offensive gegen Geldwäsche

Quelle: dpa

Boni

Lange bekannten sich europäische Politiker dazu, den Gehaltsexzessen der Banker per Gesetz ein Ende bereiten zu wollen. Inzwischen jedoch hat der Druck nachgelassen, Kampfansagen sind nur noch aus dem Europäischen Parlament zu hören. "Ohne eine gesetzliche Obergrenze für Boni gibt es keine Einigung", drohte der Vizepräsident des Parlaments, Othmar Karas.

Die Gespräche mit der Kommission laufen in diesen Tagen auf Hochtouren. Die Banken haben der Regulierung teilweise schon vorgegriffen und ihre Bezahlungssysteme geändert. Boni werden bei vielen Instituten erst nach mehreren Jahren ausbezahlt, häufig können sie zurückgefordert werden, wenn sich der Mitarbeiter etwas zuschulden hat kommen lassen.

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Banken:Anlegerschutz

Vier Jahre nach Pleite der US-Investmentbank Lehman

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Anlegerschutz

Die berühmte "Lehman-Oma" soll es nicht mehr geben: Nach der Pleite der US-Bank beschwerten sich Kunden, dass sie falsch beraten worden seien. So gerieten nicht nur Papiere in den Blickwinkel, die im Zusammenhang mit Lehman standen, sondern der gesamte Bankvertrieb.

In Deutschland wurde im vergangenen Jahr das Anlegerschutzgesetz verabschiedet. "Das hat zu entscheidenden Verbesserungen für die Kunden geführt", sagt Mark Roach, Mitglied der Fachgruppe Banken bei Verdi. So richte sich der Bankvertrieb inzwischen viel klarer an den Kundenwünschen aus. Problematisch sei, dass die Regeln für den Strukturvertrieb außerhalb der Banken nicht gelte, so Roach. Er kritisiert außerdem, dass die Berater für Fehler persönlich haften müssen - und nicht der Arbeitgeber.

Ab November 2012 werden zudem Kundenbeschwerden in einem zentralen Register gespeichert. Eigentlich ein guter Gedanke - wenn die Aufsicht die Kapazität hätte, zu prüfen, ob die eingehenden Beschwerden gerechtfertigt sind, oder nicht. So aber könnten Berater ungerechtfertigt unter Druck geraten, fürchtet Roach.

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Banken:Schattenbanken

Stresstest für Banken - Frankfurter Bankenskyline

Quelle: dpa

Schattenbanken

Klare Regeln helfen wenig, wenn man sie leicht und ganz legal umgehen kann. Zwar unterliegen Banken jetzt strengeren Vorschriften - aber die sogenannten Schattenbanken, also Hedgefonds und andere Finanzvehikel, genießen immer noch weitgehend Vogelfreiheit. Sie zu regulieren dürfte das nächste Großprojekt der internationalen Politik werden, wenn sie nicht riskieren will, dass die sorgsam erdachten Regeln ins Leere laufen.

© SZ vom 15.10.2012 /fzg/olkl
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