Bangladesch:Geld weg, Job weg

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Die Zentralbank des Landes wird von Hackern attackiert. Es hätte der größte Bankraub aller Zeiten werden können, wenn da nicht ein Tippfehler gewesen wäre. Die Diebe schrieben das englische Wort für Stiftung falsch.

Von Sophie Burfeind

Es hätte der größte Bankraub aller Zeiten werden können, wäre da nicht dieser Tippfehler gewesen. Die Diebe in Bangladesch waren sich wohl nicht ganz sicher, wie man das englische Wort für Stiftung schreibt, und hatten offenbar auch kein Wörterbuch zur Hand. Auf eine Überweisung an eine Stiftung in Sri Lanka tippten sie jedenfalls "fandation". Für die Transaktion war die Deutsche Bank zuständig, wo man sich sicher war, dass es "foundation" heißen muss. Die Deutschen wurden misstrauisch und stoppten den Vorgang - so flog der spektakuläre Online-Bankraub in Bangladesch auf.

All das geschah Anfang Februar. Zuerst hatten Cyberdiebe die Sicherheitssysteme der Zentralbank in Bangladesch geknackt und waren so an die Zugangsdaten für die Zahlungsüberweisungen gekommen. An einem Wochenende, als die Zentralbank-Büros des Landes geschlossen waren, schlugen sie dann zu: Sie beauftragten den New Yorker Ableger der US-Notenbank Fed, der für die Kollegen in Bangladesch internationale Zahlungen abwickelt, mit etlichen Überweisungen. Die Millionen sollten an private Einrichtungen auf den Philippinen und in Sri Lanka fließen.

Dank der aufmerksamen Deutschen war aber bald Schluss mit den Transaktionen. Statt der geplanten Milliarde erbeuteten die Hacker nur 81 Millionen Dollar. Trotzdem war auch das eine beachtliche Summe, die plötzlich auf dem Zentralbankkonto fehlte. Dem Zentralbankchef Atiur Rahman war das anscheinend peinlich, weshalb er versuchte, die Sache erst einmal geheim zu halten. Öffentlich wurde der Online-Bankraub dann aber doch, durch einen Bericht der philippinischen Zeitung The Inquirer ein paar Wochen später. Wie der Rest des Landes erfuhr auch Finanzminister Abul Maal Abdul Muhith erst durch die Zeitungslektüre von dem Vorfall. Weil ihn das verärgerte, legte er dem Zentralbankchef den Rücktritt nahe. An diesem Dienstag gab Rahman diesen dann mit folgenden Worten bekannt: "Ich gehe als Held."

Auch in anderen Ländern werden Online-Attacken auf Banken immer öfter zum Problem. Die russische IT-Sicherheitsfirma Kaspersky Lab gab kürzlich bekannt, dass die sogenannte Carbanag Gang so innerhalb von zwei Jahren eine Milliarde Dollar gestohlen habe. Die Hacker hatten Spähsoftwares auf Bankencomputern installiert und Mitarbeiter der Institute beobachtet. Auf diese Weise gelangten sie an die Informationen, um sich selbst Geld überweisen zu können und um Geldautomaten zur Bargeldausgabe umzuprogrammieren.

In Bangladesch geht derweil die Suche nach den Tätern weiter. An den Ermittlungen beteiligen sich mittlerweile auch andere Länder sowie die Weltbank. Ein großer Teil der Summe, laut Medienberichten 73 Millionen Dollar, sollen auf die Philippinen geflossen sein. Die Anti-Geldwäsche-Behörde hat schon Strafanzeige gegen einen Bankmanager einer philippinischen Bank gestellt. Der Manager soll den mutmaßlichen Tätern erlaubt haben, Geld abzuheben, obwohl er wusste, dass es gestohlen war. Ein paar Millionen wurden außerdem auch schon in Spielcasinos gefunden: Die Diebe hatten für das Geld Chips zum Pokern gekauft.

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